Paris - Aus Protest gegen die als chaotisch empfundene Corona-Politik an Schulen haben Lehrergewerkschaften in Frankreich für Donnerstag zum Streik aufgerufen. „Die Regierung kündigt Regeln an, ohne darüber nachzudenken, was das in der Praxis bedeutet“, sagte Olivier Flipo, ein Schuldirektor in Val d'Oise der Nachrichtenagentur AFP. Tatsächlich wurde das Protokoll für die Schulen seit dem Ende der Weihnachtsferien bereits mehrfach geändert.

Die Gewerkschaften rechnen damit, dass sich bis zu Dreiviertel der Grundschullehrer am Streik beteiligen könnten. Landesweit sind mehrere Demonstrationen vorgesehen. Im Unterschied zu früheren Lehrer-Streiks haben sich dieses Mal fast alle Gewerkschaften verbündet und werden zudem von Verbänden der Elternvertreter unterstützt.

Eltern mussten Kinder tagsüber aus Schule holen, um sie testen zu lassen

Viele Schuldirektoren und Lehrer beschweren sich, dass sie erst in letzter Minute über die Änderungen informiert werden. Den Verzicht auf das Schließen von Klassen auch bei mehreren positiven Fällen hatte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer am letzten Ferientag zunächst in einem Zeitungsinterview bekannt gegeben, das im Internet mit einer Bezahlschranke versehen war.

Viel Kritik gab es auch, als Eltern von Schulkindern in den vergangenen Tagen reihenweise tagsüber von der Arbeit geholt wurden, um ihre Kinder in einer Apotheke testen zu lassen – was oft nur mit langen Wartezeiten möglich war. Mit einem negativen Test durften die Kinder dann wieder zurück in die Schule. Von Freitag an sollen Selbsttests und eine schriftliche Erklärung der Eltern zum Testergebnis ausreichen. Im Unterschied zu Deutschland hat Frankreich nie regelmäßige Tests für Schüler eingeführt.