Berlin - Nach einem massiven Angriff gegen eine Frau in einem Hausflur ist ein 19-Jähriger zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach den Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Er habe die ihm unbekannte Frau mit einem „scharfkantigen Gegenstand“ attackiert und durch „kraftvolle Schläge und Stiche“ erheblich verletzt, begründete der Vorsitzende Richter am Dienstag. Der Angriff sei für das 32 Jahre alte Opfer völlig überraschend erfolgt. „Eine Aggression hat sich entladen.“

Die Frau war laut Ermittlungen gerade aus dem Fahrstuhl getreten, als sie am Abend des 10. August 2020 im Hausflur ihres Wohnhauses in Berlin-Friedrichshain angegriffen wurde. Der 19-Jährige habe die 32-Jährige, die er nicht kannte, vermutlich mit einem Lineal angegriffen, hieß es weiter im Urteil. Als sie am Boden lag und um Hilfe rief, habe er von ihr abgelassen. Kurz darauf sei er zurückgekehrt, weil er realisiert habe, „dass er etwas Schlimmes getan hatte“. Als der Ehemann des Opfers aus der Wohnung kam, sei der Angeklagte geflohen.

Opfer trägt psychische Folgen davon

Die Frau war erheblich verletzt worden – unter anderem an der Lunge. Die körperlichen Wunden seien weitgehend ausgeheilt, sagte der Richter. „Die psychischen Folgen nicht.“ Die Frau befinde sich derzeit in einer Traumatherapie.

Der 19-Jährige hatte sich zwei Tage nach der Tat bei der Polizei gestellt. Er habe gestanden, Reue gezeigt und sei therapiebereit, so der Richter. „Er will die Ursachen seines für Außenstehende unerklärlichen Verhaltens erkennen und abstellen.“ Vor dem Angriff habe der Angeklagte zwar Bier konsumiert, seine Alkoholisierung sei einem Gutachten zufolge aber nicht erheblich gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf fünf Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert. Die Verteidigerin sprach sich für eine mildere Strafe aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.