Oranienburg - Die Schlinge zieht sich zu. Seit dem frühen Mittwochabend sitzt der Ex-Freund der getöteten Bianca S. aus Oranienburg in U-Haft. Die Brandenburger Polizei teilte mit, dass gegen den 29-Jährigen ein Haftbefehl wegen Totschlags erlassen wurde. Die Indizien deuten darauf hin, dass der Mann die 26-Jährige umgebracht hat.

Ermittler der zuständigen Mordkommission hatten den Tatverdächtige am Dienstag um 17.50 Uhr in seiner Wohnung in Oranienburg festgenommen. Dies bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Neuruppin auf Anfrage.

Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge soll es sich um den Ex-Liebhaber der ermordeten Frau handeln. Die beiden hatten seit Jahren eine Art On-off-Beziehung, hieß es. Zum Motiv könne bisher nur spekuliert werden. Offenbar hatte Bianca S. seine Liebe nicht erwidert, hieß es aus dem Umfeld des Opfers. Bestätigen wollten dies weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft.

Verdächtiger hat bisher noch kein Geständnis abgelegt

„Aus dem Anfangsverdacht wurde ein dringender Tatverdacht, weshalb der Mann auch festgenommen wurde“, sagte Torsten Sauermann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Der Verdächtige wurde fast die ganze Nacht lang vernommen. Ob er die Vorwürfe abstreitet, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Der 29-Jährige habe zumindest kein Geständnis abgelegt, hieß es lediglich.

Ob der Durchbruch bei den Ermittlungen durch einen Hinweis aus der Bevölkerung kam, wollte eine Polizeisprecherin bisher nicht kommentieren. Die Brandenburger Polizei hatte am vergangenen Freitag Screenshots aus einer Überwachungskamera veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen Bianca S. am 15. Juli gegen 13 Uhr auf dem Bahnhof Oranienburg, kurz nachdem sie das letzte Mal von Bekannten gesehen wurde. Es sind die letzten Bilder, die die junge Mutter lebend zeigen.

Traf Bianca S. ihren Mörder in der Nähe des alten Nazi-Bunkers?

Vier Tage nach dem Besuch am Bahnhof wurde ihre Leiche im alten Nazi-Bunker „Karo Ass“ im Ortsteil Friedrichsthal gefunden. Besucher der Anlage hatten abends die tote Frau in den alten Gemäuern mitten im Wald entdeckt und die Polizei alarmiert. Ihr Fahrrad, mit dem sie am Tag ihres Verschwindens unterwegs war, fanden die Ermittler in der Nähe des Fernmeldebunkers. Die Polizei geht davon aus, dass sie damit in das Waldgebiet fuhr. Ob sie dort jemanden treffen wollte, sei Bestandteil der Ermittlungen.

Die Ermittler gehen nicht von einem Sexualdelikt aus. Bei der Obduktion der Leiche wurden nach Angaben der Polizei keine Spuren einer Vergewaltigung gefunden. Dem Ergebnis der Untersuchungen zufolge starb die junge Frau kurz nach ihrem Verschwinden.