Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG.
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BerlinIn einem Brandbrief hat der Vorstand der Deutschen Bahn offenbar vor der Einführung einer verbindlichen Frauenquote gewarnt. In dem bereits Mitte Juni an Finanzminister Olaf Scholz (SPD), Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sowie an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) adressierten Schreiben wird vor „erheblichen negativen Auswirkungen“ gewarnt. Jetzt ist ein Streit um das Schreiben entbrannt.

Bahn-Chef Richard Lutz, Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Personalchef Martin Seiler schrieben nach Angaben des Spiegel, dass sie durch die vorgeschriebene Förderung von Frauen „eine Verschärfung des ohnehin gravierenden Fachkräftemangels in technisch-operativen Berufen bei der DB“ befürchten. Zudem würde „die Bestellung von Gleichstellungsbeauftragten finanzielle Ressourcen binden“. Jetzt gibt es massive Kritik an dem Brief sowie dessen Verfassern.

„Ich bin schockiert über die Äußerungen der drei Männer des Vorstands der Deutschen Bahn. Die Herren Lutz, Pofalla und Seiler unterliegen einem absoluten Irrglauben, wenn sie der Meinung sind, Frauen in Führungspositionen schaden der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Cosima Ingenschay, Vorstandsmitglied und Bundesgeschäftsführerin der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), der Rheinischen Post. 

Ingenschay sagte weiter, die Deutsche Bahn als Staatsunternehmen sollte mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Frauen in die vordersten Reihen stellen. „Leider erleben wir gerade, dass sich erst etwas bewegt, wenn die Quote gesetzlich gefordert wird“, so Ingenschay weiter.

Die Bahn teilte unterdessen mit, es sei ein zentrales Anliegen des Konzernvorstands, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Im aktuellen Fall handele es sich daher „um unzutreffende und irreführende Berichterstattung“. Im aktuellen Vorstand der Deutschen Bahn sitzen fünf Männer und zwei Frauen.