„Free the Nipple“: Facebook und Instagram sollen Brustwarzen-Verbot aufheben

In den sozialen Medien wird immer wieder um die Zensur nicht-männlicher Nippel gestritten. Nach einer Grundsatzentscheidung könnte das Verbot bald fallen.

Feministische Bewegungen kritisieren Brustwarzen-Verbote seit langem.
Feministische Bewegungen kritisieren Brustwarzen-Verbote seit langem.Eastnews/imago

Oberkörperfreie Bilder, auf denen auch Brustwarzen zu sehen sind, fallen in den sozialen Medien bislang der Zensur zum Opfer – zumindest für alle nicht-männlichen Nutzer. Das könnte sich bald ändern. Wie aus einer Entscheidung des Kontrollgremiums Oversight Board vom Dienstag hervorgeht, sollen Facebook und Instagram diesbezüglich geltende Richtlinien demnächst überarbeiten. Dem Urteil geht eine jahrelange Debatte um Gleichberechtigung im Netz voraus. Die Entscheidung bezieht sich zunächst vor allem auf Menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren.

Hintergrund des Urteils waren zwei gelöschte Posts eines US-amerikanischen Paares, auf denen jeweils die nackten Oberkörper der beiden Personen zu sehen waren. Sie wollten demnach auf Themen wie Gesundheitsfürsorge für trans Menschen aufmerksam machen. Beide identifizieren sich als transgeschlechtlich beziehungsweise nicht-binär. Nachdem offenbar mehrere Beschwerden bei Instagram eingegangen waren, löschte die Plattform die Bilder mit Verweis auf Community-Richtlinien. Das Paar legte Beschwerde ein – mit Erfolg.

Zensur der Brust: „Free the Nipple“ und Schwimmbad-Debatten

„Die Beschränkungen und Ausnahmen der Regeln für weibliche Brustwarzen sind umfassend und verwirrend, insbesondere was Transmenschen und nicht-binäre Personen angeht“, stellt das Oversight Board in seiner Entscheidung fest. Das liegt auch daran, dass solche Personen grundsätzlich nicht in den bisher geltenden Richtlinien bedacht werden. Transmenschen zum Beispiel, das gibt auch der Meta-Konzern zu, befinden sich bezüglich der Instagram-Regeln in einer „Grauzone“.

Öffentlich diskutiert wird das Problem mit der Zensur weiblicher Brüste seit langem. Durch die Dokumentation „Free the Nipple“ aus dem Jahr 2014 und die damit verbundene Internet-Kampagne entwickelte sich das Thema auch in Deutschland zu einer symbolisch aufgeladenen Debatte.

Auch der Fall einer Berlinerin, die aufgrund ihres nackten Oberkörpers eines Schwimmbads verwiesen wurde, sorgte zuletzt für Aufregung. In Göttingen wurde die Bedeckungspflicht nach Protesten wegen eines ähnlichen Vorfalls aufgehoben. Die Berlinerin hingegen scheiterte in einem Gerichtsverfahren wegen Diskriminierung – beim Meta-Konzern könnte das nun anders sein.

Auch auf Facebook und Instagram sind weibliche Brustwarzen grundsätzlich verboten. Ausnahmen gibt es etwa in medizinischen Kontexten oder zu Bildungszwecken. Das führe allerdings „zu größeren Einschränkungen der Meinungsfreiheit von Frauen, transsexuellen und nicht-binären Personen“, wie das Oversight Board nun anerkannte. Meta habe nun 60 Tage Zeit, auf die Entscheidung zu antworten. Die Richtlinien sollen wenn nötig geändert werden. Bindend sind die Forderungen des Gremiums allerdings nicht.