Straßburg - Der Europarat hat eine Online-Kampagne gegen die Diskriminierung von Kopftuchträgerinnen nach scharfen Protesten aus Frankreich zurückgezogen. Die Tweets seien gelöscht worden und ihr Inhalt werde überdacht, teilte eine Sprecherin des Europarats in Straßburg mit. Sie zeigten die Fotomontage einer lächelnden jungen Frau, die links ein rosa Kopftuch zum weiten Umhang trägt und rechts rote Locken und eine Latzhose.

„Beauty is in diversity as freedom is in hijab“, lautete die Überschrift auf Englisch – etwa „Schönheit liegt in der Diversität, wie die Freiheit im Hidschab“. Der Hidschab ist ein islamisches Kopftuch, das Haare, Ohren und Hals bedeckt.

EU-Kommission steuerte 340.000 Euro zur Kampagne bei

Im französischen Präsidentschaftswahlkampf stieß die Darstellung parteiübergreifend auf Protest. Die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen nannte die Kampagne „skandalös und unanständig“. Millionen von Frauen lehnten sich gegen die „Unterwerfung“ durch den Islam auf, argumentierte sie. Auf Twitter wurden weiterhin Bilder der Kampagne geteilt, beispielsweise von der belgischen Politikerin Anke Van demeersch. Auch sie kritisierte die Kampagne.

Aber auch im linken Lager und in der französischen Regierung stieß die Anzeige auf Widerspruch. Die Jugend-Staatssekretärin Sarah El Haïry sagte dem Sender LCI, Frankreich habe dem Europarat seine „extrem große Missbilligung“ deutlich gemacht. Daraufhin seien die Tweets zurückgezogen worden.

Die EU-Kommission in Brüssel steuerte nach eigenen Angaben insgesamt 340.000 Euro zu der Kampagne bei, die Online-Hass gegen Muslime und Juden bekämpfen soll. Ein Kommissionssprecher betonte: „Frauen müssen tragen dürfen, was sie wollen, solange sie die Gesetze des jeweiligen Landes beachten.“