Der frühere Berliner Bischof und EKD-Ratsvorsitzende Martin Kruse ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Dies teilte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz am Freitag mit. Bischof Christian Stäblein würdigte Kruse als „einen großen Vermittler und Hirten unserer Kirche“. Kruse habe vor allem in der Zeit des Zusammenwachsens von Ost und West für die Kirche Großes geleistet.

Amtszeit von Teilung Berlins geprägt

Kruse war am 21. April 1929 im niedersächsischen Lauenberg als Sohn eines Pastors geboren worden und im Emsland aufgewachsen. Der promovierte Theologe wurde 1976 zunächst zum West-Berliner Bischof der Evangelischen Kirche gewählt und trat das Amt 1977 an. In die DDR pflegte er intensive Kontakte. Von 1991 bis 1994 hatte Kruse dann das Berliner Bischofsamt für die gesamte Landeskirche inne. Seine Amtszeit sei von der Teilung der Stadt, aber auch von politischen und innerkirchlichen Konflikten geprägt gewesen, hieß es weiter.

Kruse gehörte ab 1979 dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland an und war von 1985 bis 1991 der Vorsitzende. Die heutige EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus nannte ihren Vorgänger einen „Brückenbauer mit einem weiten Horizont“. Ökumenische Weite habe Kruse vor kleinlicher Parteilichkeit bewahrt.

Kruse war Vater von vier Kindern. „Wir sind in Trauer verbunden mit seiner Ehefrau Marianne Kruse und seinen Kindern, seiner ganzen Familie“, betonte Stäblein. Und er fügte hinzu: „In einer Zeit von Friedensbewegung, Hausbesetzungen, RAF, gespaltener Kirche, geteilter Stadt und Wiedervereinigung war Martin Kruse ein Berliner Bischof und EKD-Ratsvorsitzender in bewegten Zeiten. Mit seiner freundlich zurückhaltenden und zuhörenden Art gelang es ihm, die verschiedenen Prägungen in einer Kirche zusammenzuhalten und stets vermittelnd einzuwirken.“

Bürgermeisterin Giffey würdigt Kruse

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey würdigte Kruse als Kirchenmann, der Stellung bezog, wo es ihm geboten schien. „Er stand als ruhiger, besonnener und bedachter Gesprächspartner zur Verfügung und wurde so zum Anker in schwierigen Zeiten. Das hat ihn in seinem Wirken als Stadtältester ausgezeichnet“, so die SPD-Politikerin.

Auch im Ruhestand habe Kruse viele Aufgaben übernommen, etwa als Vorstandsvorsitzender der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg, erläuterte die EKD. Er habe zeitweise auch den Vorsitz des Berliner Vereins zur Errichtung Evangelischer Krankenhäuser innegehabt. Berlin zeichnete ihn den Angaben zufolge mit der Stadtältestenwürde aus.