Berlin - Das letzte Wollhaarmammut lebte vor circa 10.200 Jahren. Jetzt wollen Forscher der Harvard-Universität es laut Medienberichten rehabilitieren. Die Idee klingt simpel, das Vorhaben ist ambitioniert: Einem lebenden Asiatischen Elefanten soll die DNA eines ausgestorbenen Mammuts eingepflanzt werden. Dahinter steht mehr als nur reines Forschungsinteresse, denn es geht um Klimaschutz: Die Mammut-Elefanten-Kreuzung soll die sibirische Tundra bevölkern, dort den Permafrostboden vor dem Abtauen schützen und jenes Gebiet, in dem die Mammuts einst weideten, wieder in Grasland verwandeln.

Das Team um den Genetik-Professor Georg Church von der Harvard-Universität hat nach langer Suche einen Investor für das Projekt gefunden: Ben Lamm, Gründer des Unternehmens Hypergiant, das auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist. Church und Lamm gründeten gemeinsam die Biotech-Firma Colossal – und warben 15 Millionen Dollar an Investorengeldern für ihr Mammutprojekt ein.

Die DNA wollen Church und sein Team offenbar aus einem mumifizierten Baby-Mammut gewinnen und sie anschließend mit der DNA des Asiatischen Elefanten mischen. Aus diesem DNA-Mix soll ein Embryo entstehen, den man entweder einer Elefantenkuh einpflanzt oder aber künstlich herstellt.

Forscher-Kollegen kritisch: „Das Letzte, was man tun sollte“

Church und seine Kollegen gehen davon aus, dass das Mammut seinen alten Lebensraum zurückerobert: Die Tundra, seinerzeit Grasland, sei von den Tieren selbst erst zu einem solchen Lebensraum gemacht worden. Sie fällten dort Bäume, zerkleinerten Moos und lieferten mit ihrem Kot Dünger für den Boden. All das soll nun zurückkehren – mit den Mammut-Elefanten. 

Doch es gibt auch kritische Stimmen gegenüber dem Vorhaben: Gareth Phoenix etwa, Professor an der Universität Sheffield, sagte gegenüber dem britischen Guardian, dass die Zerstörung von Moos und das Fällen von Bäumen das Letzte sei, was man tun sollte. Beides schütze den Permafrost-Boden und sei daher für seine Erhaltung von essenzieller Bedeutung.

Auch Victoria Heritage, Evolutionsbiologin am Londoner Natural History Museum, bekundet Zweifel: Für das Experiment benötige man Hunderttausende Mammuts. Die Mammutkühe seien 22 Monate trächtig und bis ein Tier ausgewachsen sei, vergingen 30 Jahre. Immerhin: Nach über sechs Jahren Investorensuche können Church und sein Team nun bald loslegen.