Berlin - Angesichts der sich nun auch in Deutschland ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus wird über schärfere Einreiseregeln diskutiert. Allerdings hat Deutschland europaweit bereits mit die strengsten Bestimmungen.

Welche Quarantänepflichten gelten für Reiserückkehrer?

Die Verordnung unterscheidet hier zwischen drei Kategorien: Die „normalen“ Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete – sowie die nun vor allem in den Fokus geratenen Virusvariantengebiete. Das sind Regionen, in denen eine neue Mutante verbreitet auftritt.

Wer sich in den letzten zehn Tagen in einer zum Zeitpunkt der Einreise als Risikogebiet eingestuften Region aufgehalten hat, muss nach der Einreise auf eigene Kosten für zehn Tage in Quarantäne.

Die Absonderung wird bei der Rückkehr aus Risikogebieten früher beendet, wenn ein negatives Testergebnis oder ein Genesen- oder Impfnachweis vorgelegt wird. Bei der Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet darf die zugrunde liegende Testung frühestens fünf Tage nach der Einreise erfolgt sein.

Für Menschen, die aus einem Virusvariantengebiet zurückkehren, dauert die Quarantäne 14 Tage. Sie gilt auch für Genesene und Geimpfte – und kann auch nicht durch einen Test verkürzt werden.

Wie begründet die Bundesregierung die strengen Einreiseregeln für Rückkehrer aus Virusvariantengebieten?

Bei neu auftretenden Mutanten lässt sich zunächst nicht so genau sagen, wie gut die Impfstoffe wirken, argumentiert Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU). Zudem müsse geklärt werden, ob auch Geimpfte das Virus noch weitergeben können.

Welche Einstufung gilt für die meisten europäischen Reiseländer?

Aufgrund der fast überall rückläufigen Infektionsraten gelten derzeit nur noch wenige Regionen in Europa als Risikogebiet.

Welche Länder in Europa sind derzeit Virusvariantengebiete?

Großbritannien, Portugal und Russland.

Könnte sich die Lage auch in anderen Ländern wieder verschlechtern?

Das ist durchaus möglich. Denn die besonders ansteckende Delta-Variante ist in Deutschland auf dem Vormarsch, das könnte auch in anderen Ländern der Fall sein. Allerdings ist ein hoher Delta-Anteil an allen Varianten für sich gesehen noch nicht das größte Problem. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn weist darauf hin, dass der Anteil der zunächst in Indien festgestellten Variante in Deutschland zwar steigt – die Zahlen insgesamt aber weiter gering sind.

Zudem ist laut Robert Koch-Institut für die Einstufung eines Landes als Virusvariantengebiet maßgeblich, dass dort eine Variante grassiert, „welche nicht zugleich im Inland verbreitet auftritt und von welcher anzunehmen ist, dass von dieser ein besonderes Risiko ausgeht“. In Deutschland ist die Delta-Variante ja aber längst angekommen.

Was gilt für Flugreisen?

Alle Menschen, die per Flugzeug in die Bundesrepublik einreisen, müssen vor dem Abflug dem Beförderer ein negatives Testergebnis, einen Impfnachweis oder einen Genesenennachweis vorlegen.

Wie sieht es mit den Grenzkontrollen aus?

Unabhängig von der Einreiseverordnung, die vor allem Test und Quarantäne regelt, gibt es grundsätzlich die Möglichkeit von Grenzkontrollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) haben generelle Kontrollen abgelehnt. Kanzleramtschef Braun hat am Dienstag aber auf die Möglichkeit der Schleierfahndung hingewiesen. Sie besteht aus verdachtsunabhängigen Kontrollen im Grenzgebiet.