BerlinInsbesondere für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen soll es ab April eine bundesweite „Notruf-App“ geben, über die man Feuerwehr und Rettungsdienst (112) beziehungsweise die Polizei (110) erreichen kann. Laut dem nordrhein-westfälischen Innenministerium, das die Projektführung für alle Bundesländer übernommen hat, beginnen in den nächsten Wochen erste Praxis-Tests.

Die App könne grundsätzlich von jedem genutzt werden, teilte das Ministerium mit. Sie richte sich aber vor allem an Menschen, die aufgrund einer Behinderung nicht oder schlecht telefonieren können. Die App fragt zunächst, ob man Feuerwehr oder Polizei braucht, oder es sich um einen medizinischen Notfall handelt. Drückt man den entsprechenden Button, kommen mehrere Fragen, die auch beim Notruf gestellt würden - und man wählt per Knopfdruck aus mehreren Möglichkeiten aus.

Durch die Ortungs-Funktion des Handys (GPS) wird der Notruf von der App mit den gemachten Angaben automatisch an die örtlich zuständige Leitstelle geschickt. „Zusätzlich besteht die Möglichkeit, danach die Kommunikation über einen Chat fortzuführen, um die Notfallhilfe gegebenenfalls zu optimieren“, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums.

Weitere Angaben - wie zum Beispiel Vorerkrankungen - können freiwillig in der App gespeichert und direkt zur Leitstelle übertragen werden. „Sie können im Notfall vor allem für die Einsatzkräfte vor Ort wertvoll sein“, sagte die Sprecherin. 2019 hatten die Bundesländer gemeinsam die Einführung eines App-Notrufs beschlossen. NRW übernahm die Abwicklung und Ausschreibung und schloss 2020 den Vertrag mit einem Unternehmen ab, das die App seitdem programmiert.