Berlin - Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird es vor der Bundestagswahl nun doch keine Sendungen mit Moderator Jörg Thadeusz mehr geben. Der Chefredakteur des öffentlich-rechtlichen Senders, David Biesinger, teilte am Montag mit: „Jörg Thadeusz hat uns nach der Diskussion um seine Veröffentlichung in einer Partei-Zeitschrift zur Berliner Abgeordnetenhauswahl heute vorgeschlagen, seine Arbeit bis zur Wahl ruhen zu lassen.“ Auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) zieht Konsequenzen: Thadeusz pausiert seine Moderation der Radio-Talk-Sendung bei WDR 2 bis zur Wahl.

Thadeusz, der zu den bekanntesten Moderatoren des Senders gehört, hatte einen Text für ein Magazin des FDP-Landesverbands in Berlin („Chancen - Das Magazin vor der Wahl“) verfasst. Am 26. September stimmen die Berliner nicht nur über den Bundestag, sondern auch über die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses in der Hauptstadt ab.

Zwei Fälle bei dem Sender bekanntgemacht

Beim RBB dürfen laut Geschäftsordnung Sendermitarbeiter während eines Wahlkampfs in den sechs Wochen vor dem Wahltermin in keiner Rundfunksendung auftreten, wenn sie sich im Wahlkampf aktiv betätigen. In den WDR-Sendungen bis zur Wahl hätte Thadeusz auch mit Politikern gesprochen.

Das Medienmagazin „Übermedien“ hatte vor Tagen gleich zwei Fälle bei dem Sender bekanntgemacht. Bei einer Moderatorin, die nach Senderangaben ihre Unterschrift unter einen konkreten Wahlaufruf für einen Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters setzte, vereinbarte der RBB mit ihr, dass sie bis zur Wahl nicht mehr auftritt.

Ausnahme: „Thadeusz und die Beobachter“ am 21. September 

Bei Thadeusz sah die ARD-Anstalt einen anders gelagerten Fall. Zwar habe er ebenfalls die in der Geschäftsordnung des RBB gesetzten Grenzen überschritten. Mit Thadeusz sei dann verabredet worden, dass er bis zur Wahl keine Verpflichtungen mehr übernimmt - mit einer Ausnahme: Am 21. September hätte er die Sendung „Thadeusz und die Beobachter“ moderieren dürfen. Dort sollte er auch Stellung zu dem Artikel in dem Magazin beziehen. Der Sender begründete das auch damit, dass das Format in besonderer Weise für Kontroverse und Meinungsvielfalt im RBB stehe. Man halte es falsch, in diesem Zusammenhang an dieser Sendung ein „Exempel zu statuieren“.

Thadeusz wurde am Montag in der RBB-Mitteilung so zitiert: „Ich muss konstatieren, dass mir meine Veröffentlichung als Parteinahme ausgelegt wird. Ich möchte nicht, dass die Kolleginnen und Kollegen beim RBB sich wegen meines Fehlers Zweifel an ihrer journalistischen Integrität ausgesetzt sehen.“ Bereits beim Wahlkampf 2017 hatte es schon einmal eine ähnliche Problematik mit Thadeusz gegeben.