Minsk - Nach der internationalen Empörung über die erzwungene Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk hat Belarus den Funkverkehr mit dem Piloten veröffentlicht. „Wir wurden von den Sicherheitsdiensten informiert, dass Sie eine Bombe an Bord haben und sie über Vilnius gezündet werden kann“, sagte die Minsker Flugsicherung laut der vom Verkehrsministerium veröffentlichten Abschrift.

Als der Pilot nach der Herkunft der Bombendrohung fragte, antwortete der Fluglotse, dass sie per E-Mail an den Minsker Flughafen geschickt worden sei. Dem Piloten wurde mehrfach geraten, in der belarussischen Hauptstadt Minsk zu landen. Dies sei „unsere Empfehlung“, sagte der Lotse.

Pilot habe sich ohne äußeren Zwang zur Landung in Minsk entschieden

Die belarussische Luftwaffe hatte am Sonntag einen Kampfjet losgeschickt, um die Ryanair-Maschine zu eskortieren. Nach der Landung in Minsk wurden der in Polen und Litauen im Exil lebende Regierungskritiker und Journalist Roman Protassewitsch und seine aus Russland stammende Freundin festgenommen, die beide in der Maschine saßen.

Die belarussische Regierung betonte am Montag, dass der Pilot sich ohne äußeren Zwang für eine Landung in Minsk entschieden habe. Demnach hätte er auch in Polen oder der Ukraine landen können. Nach Angaben von Belarus steckte die radikalislamische Hamas hinter der Bombendrohung.

Das Vorgehen der belarussischen Seite löste weltweit heftige Empörung aus. Die Europäische Union verhängte deshalb neue Sanktionen gegen Minsk.