Der Angeklagte (l), und die Verteidiger im Gerichtssaal des Amtsgericht Altona.
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HamburgDrei Jahre nach dem G20-Gipfel in Hamburg hat das Gericht nun einen früheren Polizisten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Der 38 Jahre alte Mann hatte am Rande der „Welcome to Hell“-Demonstration eine Bierdose in Richtung seiner Kollegen geworfen. 

Dem Angeklagten sei nicht nachzuweisen, dass er bei dem Wurf billigend in Kauf genommen habe, die Polizisten zu verletzen, sagte Richter Reinhard Kloß am Montag laut dem NDR bei der Urteilsverkündung. Auch der Freundin des Ex-Beamten, die ebenfalls eine Dose geworfen hatte, sei der Vorsatz nicht nachzuweisen. Das Urteil sei allerdings nicht das Ergebnis erwiesener Unschuld, sondern nach dem Rechtsgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gefallen. 

Der Verteidiger des 38-Jährigen hatte auf Freispruch plädiert, die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine Bewährungsstrafe von einem Jahr gefordert.

Der Angeklagte hatte im Prozess zum Wurf gesagt:„Das war eine Scheißaktion.“ Es gehöre sich aber auch nicht, gegen die Teilnehmer einer Demonstration, darunter ältere Menschen und Kinder, ohne Vorankündigung mit dem Schlagstock vorzugehen. Diese Bilder hätten „dazu beigetragen, dass ich nicht mehr Polizeibeamter sein wollte und nicht mehr bin.“

Zu der Demo auf dem St.-Pauli-Fischmarkt am 6. Juli 2017 hatten Hamburger Linksautonome aufgerufen. Die Polizei stoppte den Abmarsch, weil sich nach ihren Angaben mehrere Tausend der rund 12.000 Teilnehmer vermummt hatten. Als die Beamten versuchten, die Vermummten abzutrennen, sei die Lage eskaliert, erklärte die Polizeiführung später vor einem Ausschuss der Bürgerschaft. Es seien mehr als 700 Straftaten verübt worden.