G7-Treffen: Wirbel um abgehängtes historisches Kreuz

In einem Saal im Tagungsort hängt eigentlich ein Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert. Auf Fotos ist es nun verschwunden. Warum wurde es abgehängt?

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) im Friedenssaal gemeinsam mit anderen G7 Außenministern. Nicht zu sehen: Das Ratskreuz, dieses wurde vorher aus dem Saal entfernt.
Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) im Friedenssaal gemeinsam mit anderen G7 Außenministern. Nicht zu sehen: Das Ratskreuz, dieses wurde vorher aus dem Saal entfernt.imago/Political-Moments

Das Auswärtige Amt hat als Ausrichter des Treffens der Außenministerinnen und Außenminister der G7 im Tagungsort in Münster ein historisches Kreuz entfernen lassen. Das sei Teil einer größeren Umgestaltung des Saals gewesen, die vom Protokoll des Auswärtigen Amts mit der Stadt Münster besprochen worden sei, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Es habe dazu keine Entscheidung auf politischer Ebene gegeben, Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sei mit der Frage nicht befasst gewesen. 

Baerbock und ihre Amtskolleginnen und -kollegen der wirtschaftsstarken Demokratien tagten am Donnerstag und Freitag unter anderem im Friedenssaal des Historischen Rathauses. Auf einem Vorsprung an einer holzvertäfelten Wand steht dort eigentlich ein großes Kreuz, den Westfälischen Nachrichten zufolge das „Ratskreuz“ aus dem 16. Jahrhundert. Auf Fotos der G7-Runde aus dem Raum ist aber ein leerer Sockel ohne Kruzifix zu sehen.

Baerbock bedauerte die Entscheidung ihres Auswärtigen Amts. „Ich hätte es gut gefunden, wenn wir es nicht weggeräumt hätten“, sagte die Grünen-Politikerin am Freitag nach dem Treffen mit ihren Kollegen der wirtschaftsstarken Demokratien. Es sei keine bewusste Entscheidung gewesen, „erst recht keine politische Entscheidung, sondern offensichtlich eine organisatorische Entscheidung.“ Sie habe erst am Freitagmorgen davon erfahren.

Baerbock sagte, der Friedenssaal sei weitreichend umgebaut worden, um daraus einen Ort für eine Konferenz zu machen „und im Rahmen dieser Umgestaltung ist tatsächlich auch das Kreuz an einen anderen Ort gestellt worden“. Das Kreuz sei Teil der Geschichte des Ortes und hätte deswegen auch in den historischen Saal gehört. Sie bitte um Verständnis, dass sie sich als Außenministerin nicht persönlich um die organisatorische Umstellung kümmere. „Nichtsdestotrotz bedauere ich das sehr“, sagte Baerbock.

Ratskreuz in Münster abgehängt: Scharfe Kritik aus der Unionsfraktion

Der Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, eine Veränderung des Mobiliars sei bei solchen Treffen üblich. Es gäbe etwa einen anderen Tisch, eine andere Beleuchtung, andere Teppiche. Ein Sprecher der Stadt Münster verwies auf das Auswärtige Amt, das für die Ausstattung zuständig sei. „Wir stellen nur die Räume“, sagte er.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), kritisierte beim Fernsehsender Welt, die Bundesregierung sei „traditions- und geschichtsvergessen.“ Wer Symbole des christlichen Glaubens aus einem Sitzungssaal räumen lasse, sei nicht weltoffen, sondern verbohrt.

Baerbock: „Um dieses Thema jetzt zu streiten ist wirklich ein falsches Zeichen“

Kritik kam auch von der kulturpolitischen Sprecherin der Unionsfraktion, Christiane Schenderlein (CDU). Diese sagte der Düsseldorfer Rheinischen Post, mit der Aktion sei das Wertefundament verletzt worden, das Grundlage für politische Entscheidungen sein müsse. 

Baerbock entgegnete auf diese Kritik, ohne die Union direkt zu nennen: „Lassen Sie uns gerne politisch in der Sache streiten über die Situation in der Ukraine, im Iran oder auch über andere innenpolitische Dinge. Aber ich glaube wirklich, um dieses Thema jetzt zu streiten - das ist wirklich ein falsches Zeichen, gerade auch von der Stadt Münster.“

Der G7-Runde gehören neben Deutschland Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die USA und Großbritannien an. Deutschland hat bis Jahresende den Vorsitz und ist zurzeit zuständig für die Organisation von Konferenzen.