Eine Karstadt-Filiale.
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BerlinMehrere hundert Beschäftigte und Unterstützer sind in Berlin erneut gegen die geplanten Schließungen mehrerer Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen auf die Straße gegangen. Gewerkschafter, aber auch Politiker wie der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), versammelten sich am Freitag vor der betroffenen Karstadt-Sports-Filiale nahe des Bahnhofs Zoologischer Garten. Aufgrund der Corona-Krise steht der Standort sowie fünf Warenhäuser des Unternehmens in der Hauptstadt vor der Schließung.

Der Senat verhandelt derzeit mit Vermietern und Eigentümern. Über den Stand der Gespräche sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte die Wirtschafts-Senatsverwaltung am Freitag mit. Senatorin Ramona Pop (Grüne) hatte sich Anfang der Woche „vorsichtig optimistisch“ geäußert, Filialen des zur österreichschen Signa-Holding gehörenden Unternehmens retten zu können.

Weitere fünf bis sechs Karstadt-Filialen könnten gerettet werden

Wie der „Spiegel“ am Freitag aus seiner aktuellen Ausgabe vorab berichtete, könnten nach Aussagen von Sachwalter Frank Kebekus weitere fünf bis sechs Filialen in Deutschland erhalten bleiben - zusätzlich zu den sechs Niederlassungen, die bereits als gerettet gelten. Ursprünglich sollten 62 der 172 Kaufhäuser in Deutschland abgewickelt werden.

„Wir reden noch mit einigen Vermietern, und ich hoffe, dass wir am Ende weniger als 50 Standorte schließen müssen“, sagte Kebekus dem „Spiegel“. In Konzernkreisen wurde allerdings gleichzeitig vor übertriebenem Optimismus gewarnt. Es sei noch nichts in trockenen Tüchern, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur.

Galeria Karstadt Kaufhof war durch die coronabedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Inzwischen wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Das Amtsgericht Essen setzte Kebekus als Sachwalter ein. Der Konzern rechnet durch die Pandemie und den folgenden Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.