Kalte Wohnungen: „Spiegel“ vergleicht Habeck mit Rumänen-Diktator Ceaușescu

Warnung vor Zwangsmaßnahmen: „Rumäniens Diktator ließ sein Volk einst bei einer Raumtemperatur von zwölf Grad bibbern.“

Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen.
Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen.dpa

Ein Vergleich des Spiegels sorgt für Aufregung. Das Nachrichtenmagazin betitelt einen aktuellen Text zur Gaskrise mit den Worten: „Patrouilliert bald die Temperaturpolizei durch Deutschland?“ In dem Artikel geht es um die Frage, ob die Bevölkerung im Winter per Gesetz gezwungen werden könne, weniger Gas zu verbrauchen und weniger zu heizen. In diesem Zusammenhang zieht der Spiegel einen Vergleich zwischen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und dem rumänischen Diktator Nicolae Ceaușescu. Dieser ließ die rumänische Bevölkerung laut Spiegel „einst bei einer Raumtemperatur von zwölf Grad bibbern.“

Habeck hatte kürzlich in den ARD-Tagesthemen gesagt: „Wenn die Speichermengen nicht zunehmen, dann werden wir weitere Maßnahmen zur Einsparung vornehmen müssen. Zur Not auch gesetzlich.“

Wegen Sparmaßnahmen: Vergleich mit Ceaușescu

Der kommunistische Diktator Ceaușescu wurde lange Zeit von der Bevölkerung verehrt. Dann wendete sich das Blatt, es kam zu Protesten, 1989 zur Revolution. Sie verlief blutig. Über 1100 Menschen wurden bei den Aufständen getötet, über 3000 verletzt. Das Dikatoren-Ehepaar Ceaușescu floh zunächst mit einem Hubschrauber, wurde aber wenig später gefasst. Am 25. Dezember 1989 wurde Ceaușescu im Schnellverfahren zu Tode verurteilt und hingerichtet.

Im aktuellen Spiegel-Artikel zu Habeck und der Gaskrise fragt der Autor nun: „Werden die Haushalte mitten im Winter womöglich vorübergehend von der Versorgung abgeklemmt? Verfügt Habeck von seinem Amtssitz in der Berliner Scharnhorststraße aus Zwangsmaßnahmen für Bürger, mit denen einst auch der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu sein Volk drangsalierte?“

Scharfe Proteste: Spiegel rudert zurück

Im ursprünglichen Teaser auf der Homepage und auf einem Post auf Twitter heiß es zudem wörtlich: „Rumäniens Diktator ließ sein Volk einst bei einer Raumtemperatur von zwölf Grad bibbern. Wirtschaftsminister Habeck hat nun auch eine Drosselung von Privatheizungen angedeutet. Wäre das technisch überhaupt umsetzbar?“ Dazu ein Bild des Wirtschaftsministers, das ihn von unten zeigt – wie einen mächtigen Mann eben, Typus: Macher.

In entsetzt klingenden Worten hatte die Politikwissenschaftlerin Ulrike Franke kurz nach Erscheinen des Artikels auf Twitter geschrieben: „Sieht aus als seien die hohen Temperaturen den Spiegel-Autoren zu Kopf gestiegen“. Der Vergleich mit dem Diktator sei unangemessen.

Ein anderer User schreibt: „Mir fehlt die Vorstellungskraft, dass sowas einfach „durchrutscht“, @derspiegel . Irgendwann, wenn nicht schon geschehen, schreibt Ihr über eine Verrohung des Diskurses und beklagt eine Eskalationsschraube, an der ihr selbst kräftig dreht.“

Noch am Abend reagierte der Spiegel, ruderte zurück und twitterte: „Wir haben Zeile und Teaser des Textes auf spiegel.de angepasst, weil die dort verwendete Verkürzung überspitzt und missverständlich war. Deshalb wir auch den ursprünglichen Tweet zum Artikel gelöscht und teilen den Text an dieser Stelle noch einmal. (ayy)“

Im neuen Teaser steht nun: „Auch Privathaushalte müssten im Falle einer Gasknappheit ‚ihren Anteil leisten‘, mahnte Wirtschaftsminister Habeck – und deutete eine Drosselung von Heizungen an. Technisch wäre das wohl kaum umsetzbar.“ Der Artikel endet außerdem mit den Worten: „Dass Robert Habeck im Winter als Wiedergänger Nicolae Ceaușescus auftritt, erscheint derzeit als das unwahrscheinlichste aller denkbaren Szenarios.“