Der russische staatliche Energieriese Gazprom hat nach eigenen Angaben die Gaslieferungen an die Niederlande eingestellt. „Gazprom hat die Gaslieferungen an das Unternehmen GasTerra B.V. (Niederlande) eingestellt, weil diese nicht in Rubel bezahlt wurden“, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Gazprom berief sich in seiner Entscheidung auf das Dekret von Präsident Wladimir Putin, wonach alle Käufer russischen Gases aus dem sogenannten unfreundlichen Ausland, wozu die EU-Länder aus Sicht Moskaus zählen, ihre Zahlungen ab April auf Rubel umstellen müssen. Über diese Umstellung seien die Geschäftspartner rechtzeitig informiert worden, betonte Gazprom. Bis Montagabend habe Gazprom Export von seinem niederländischen Partner, der GasTerra B.V., aber keine Rubelzahlungen erhalten. Als „unfreundlich“ gelten in Moskau unter anderem alle EU-Staaten.

GasTerra erklärte am Montag, das Unternehmen werde die russischen Zahlungsanforderungen nicht erfüllen, da es das Risiko gebe, die EU-Sanktionen zu brechen. Zudem seien mit dem erforderlichen Zahlungsweg „zu viele finanzielle und operative Risiken verbunden“. Viele Unternehmen, die weiterhin russisches Gas kaufen, zahlen dafür in Euro bei der Gazprombank, die nicht mit Sanktionen belegt ist; diese tauscht das Geld dann in Rubel um.

Gazprom hat bereits Lieferungen an Polen, Bulgarien und Finnland eingestellt

Die Niederlande bezogen bislang nach Regierungsangaben 15 Prozent ihrer Gaslieferungen aus Russland. Es waren demnach rund sechs Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Gasterra gab am Montag an, ab Juni bis Oktober würden wegen des Lieferstopps zwei Milliarden Kubikmeter Gas fehlen - das Unternehmen habe dies aber vorausschauend woanders eingekauft.

Vor den Niederlanden hatte Gazprom die Lieferungen an Polen, Bulgarien und Finnland eingestellt, weil diese Länder sich ebenfalls weigerten, auf das neue Zahlungsschema umzusteigen. Die deutschen Energieversorger beziehen nach wie vor Gas aus Russland. GasTerra gehört gemeinsam den Energieriesen Shell und Esso, dem niederländischen Gasunternehmen EBN und dem niederländischen Staat, der einen Anteil von zehn Prozent hält.