Berlin - Der hohe Aufwand für die Polizei bei den vielen Demonstrationen gegen die Corona-Politik beeinträchtigt die übrige polizeiliche Arbeit. Der hohe Einsatzaufwand durch zahlreiche Demonstrationen und sogenannte Spaziergänge erfordere unter Umständen, „andere polizeiliche Aufgaben zu vernachlässigen, zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. 

„Das kann man machen. Die Frage ist, wie lange die Bürgerinnen und Bürger das akzeptieren, wenn einige mit bestimmten Vergehen durchkommen, weil die Polizei das nicht mehr verfolgen kann.“ Er befürchte, dass dadurch Vertrauen in die Polizei verloren gehe. „Ich fürchte, dass die Polizei noch mehr zum Blitzableiter für verärgerte Bürger wird“, fügte der GdP-Chef hinzu.

Zahlreiche Corona-Proteste in Brandenburg

Malchow forderte mit Blick auf die ansteckendere Omikron-Variante des Coronavirus rasche Auffrischimpfungen für die Beamten. Um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten, sei es notwendig, „dass die Polizeien zeitnah boostern“, sagte Malchow. Das laufe bereits gut an.

Am Montag waren in zahlreichen Städten Brandenburgs Kritiker der Corona-Maßnahmen und mutmaßliche Impfgegner auf die Straße gegangen. Schwerpunkt war der Süden des Landes mit etwa 9000 Teilnehmenden an 16 Orten in den Kreisen Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und der Stadt Cottbus. Den größten Protestzug gab es nach Polizeiangaben in Cottbus. Dort protestierten etwa 3000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern demonstrierten zahlreiche Menschen. Bei gewalttätigen Protesten in Schweinfurt (Bayern) wurde ein vierjähriges Kind verletzt. Gegen die Mutter ist Anzeige erstattet worden. Sie habe sich nicht an Auflagen für die Demonstration gehalten und eine Absperrung durchbrochen. „Außerdem wird das Jugendamt von der Polizei über den Vorfall informiert“, hieß es.