Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
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BerlinGegen Ende des Bosnien-Kriegs, in den Tagen ab dem 11. Juli 1995, ermordeten bosnisch-serbische Milizen in der Stadt Srebrenica rund 8000 muslimische Jungen und Männer. Es war der erste und einzige Genozid in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Anlässlich des 25. Jahrestags des Massakers hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Aufarbeitung und zugleich zur Versöhnung aufgerufen.

„Die Wunden, die vor 25 Jahren in Ihre Gesellschaft gerissen wurden, sind nicht verheilt“, sagte Steinmeier in einer Videobotschaft für die zentrale Gedenkveranstaltung in Bosnien und Herzegowina. Dafür sei auch eine Rhetorik verantwortlich, die „das vermeintlich Trennende“ in den Vordergrund stelle. Stattdessen sollten geteilte Sorgen und Nöte überwiegen und der Wunsch nach einer guten Zukunft für die Kinder „in einem europäischen Bosnien und Herzegowina“. 

Steinmeier sagte: „Es gilt neue Brücken zu bauen, wo alte zerstört wurden. Vertrauen zu schaffen, wo hasserfüllte Kriegsrhetorik gegeneinander aufgewiegelt hat. Das Gespräch zu suchen, wo lange kein Wort mehr gesagt wurde.“

Auch 25 Jahre später mache das, was in und um Srebrenica geschah, fassungslos, sagte der Bundespräsident. Das Massaker von Srebrenica habe sich als „das dunkelste Kapitel der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien“ in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. „Der tausendfache Mord, der hier an muslimischen Jungen und Männern verübt wurde, ist in seiner Brutalität und Dimension singulär für Europa nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Steinmeier und betonte: „Es war Völkermord.“ Ein Verbrechen wie in Srebrenica dürfe nie wieder passieren.