Berlin - Mit Reden und Kranzniederlegungen haben Überlebende, Angehörige von NS-Opfern und Politiker an die Befreiung der NS-Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück erinnert. „Es tut immer noch weh, hier an diesem Ort zu sein und zu wissen, dass mehr als 200.000 Menschen von 1936 bis 1945 hier inhaftiert waren“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Sonntag in seiner Rede in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Zehntausende Menschen seien allein dort an Hunger und Entkräftung gestorben oder grausam hingerichtet worden. „Wir gedenken der Millionen Toten in den Lagern der Nationalsozialisten in Deutschland und in den besetzten Ländern“, erklärte Woidke.

„Im Hinblick darauf beschämt es mich, dass Rechtsextremismus und Antisemitismus in Deutschland heute auch im Jahr 2021 wieder stark aufkeimen können“, mahnte der Ministerpräsident. Dieser Entwicklung müsse man sich entschieden entgegen stellen.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zog eine Parallele zu aktuellen antisemitischen Vorfällen. „Auch im Heute, im Deutschland im Jahr 2021 gibt es Antisemitismus, werden Juden auf deutschen Straßen bespuckt“, sagte Maas. Damals hätten fast alle Deutschen weggeschaut. „Wenn man heute auf der Straße Antisemitismus erlebt und wegschaut, dann haben nicht nur diejenigen, die antisemitisch handeln nichts aus unserer Geschichte gelernt – auch die, die wegschauen, haben nicht aus unserer Geschichte gelernt.“

Am Vormittag hatte Brandenburgs stellvertretende Ministerpräsidentin Ursula Nonnemacher (Grüne) in der Gedenkstätte Ravensbrück an die Verbrechen der Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern erinnert. „Wir erinnern an die Menschen, die an Schreckensorte wie Ravensbrück, Sachsenhausen, Bergen-Belsen, Buchenwald und Dachau verschleppt wurden“, sagte Nonnemacher in ihrer Rede.

Zehntausende Menschen seien in dem Lager Ravensbrück durch Hunger, Krankheiten, Misshandlungen, Hinrichtungen, medizinische Experimente und Massentötungen gestorben, sagte Nonnemacher. „Lager wie Ravensbrück stehen für schlimmste Zerstörungen der Individualität. Hier wurden Menschen erniedrigt, ihrer Würde beraubt, wurden nur noch durch Nummern unterschieden.“

„Die Stimmen der Überlebenden werden schwächer, und wir, die Angehörigen der zweiten und dritten Generation, müssen sicherstellen, dass ihre Stimmen nicht verstummen, sondern so weit wie möglich verbreitet werden“, sagte Ambra Laurenzi, Tochter einer Überlebenden des Lagers und Präsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees. Auch künftige Generationen müssten in die Lage versetzt werden, die Zeugenschaft weiterzutragen. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, nachdem wir den Staffelstab von unseren Müttern und Großmüttern übernommen haben.“

Wegen der Corona-Pandemie wurde die Zahl der Teilnehmer an den Veranstaltungen stark begrenzt. Sie konnten aber online im Livestream verfolgt werden.