Volkstrauertag: Steinmeier gedenkt Opfern von Krieg und Gewalt

Der Krieg in der Ukraine prägte das Gedenken am Volkstrauertag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach vor dem deutschen Parlament.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier tritt bei der Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag im Bundestag ans Rednerpult.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier tritt bei der Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag im Bundestag ans Rednerpult.dpa/Annette Riedl

Politiker haben in Berlin und Brandenburg am Volkstrauertag aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht und damit einen Appell für Frieden verbunden.

Lettlands Staatspräsident Egils Levits hat bei der jährlichen Gedenkstunde im Bundestag zum Volkstrauertag zur inneren und äußeren Stärkung der Demokratie aufgerufen. Die Geschichte zeige, dass eine Schwäche der Demokratie zu Krieg und Gewalt führen könne, sagte er am Sonntag in seiner auf Deutsch gehaltenen Rede. Levits forderte die Länder der Europäischen Union dazu auf, „gebührend“ in ihre Verteidigung zu investieren und solidarisch zu sein mit denjenigen, die für Demokratie und gemeinsame Werte kämpften.

Am Volkstrauertag wird jedes Jahr im Bundestag an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert. Er stand in diesem Jahr im Zeichen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach das traditionelle Totengedenken. Levits war als Gastredner eingeladen.

Wolfgang Schneiderhahn, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Egils Levits, Staatspräsident von Lettland, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bärbel Bas (SPD), Präsidentin des Deutschen Bundestages, Peter Tschentscher, Bürgermeister von Hamburg, und Christine Lambrecht (SPD), Bundesministerin der Verteidigung, während der Gedenkveranstaltung im Bundestag. 
Wolfgang Schneiderhahn, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Egils Levits, Staatspräsident von Lettland, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bärbel Bas (SPD), Präsidentin des Deutschen Bundestages, Peter Tschentscher, Bürgermeister von Hamburg, und Christine Lambrecht (SPD), Bundesministerin der Verteidigung, während der Gedenkveranstaltung im Bundestag. dpa/Annette Riedl

Er würdigte in seiner Rede den deutschen Umgang mit der eigenen Geschichte. Die deutsche Gesellschaft habe sich durch eine „schonungslose Aufarbeitung ihrer Vergangenheit“ ein festes Fundament demokratischer Werte aufgebaut. Die russische Gesellschaft habe das nie getan. „Dieses Unvermögen zur Vergangenheitsbewältigung hat der Wiedergeburt der kruden Ideologie des russischen Imperialismus den Weg bereitet“, sagte er mit Blick auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Demokratie und der Westen als ihre Verkörperung seien der eigentlich viel größere Feind dieser „gewalttätigen Ideologie“.

Nonnemacher und Schubert legten Kränze in Potsdam nieder

Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne), stellvertretende Ministerpräsidentin in Brandenburg, erinnerte an die Opfer des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Auf dem Neuen Friedhof in Potsdam legten Nonnemacher und Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) Kränze nieder.

„Die Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, die vor dem Krieg in der Ukraine zu uns flüchten, die oftmals Väter, Brüder, Ehemänner oder Söhne zurücklassen mussten, die unter der Trennung von Familien und Freunden leiden, verdienen unsere Empathie“, sagte Nonnemacher einer Mitteilung zufolge. Das gelte auch für alle anderen Menschen, die vor Kriegen fliehen müssten. „Schauen wir an diesem Tag über die Gräber auf die Lebenden und reichen wir ihnen eine helfende Hand.“

Brandenburgs Oberbürgermeister Schubert sagte: „Mit Blick auf die vielen Konflikte und den Krieg in Europa erfährt der Volkstrauertag seine schicksalshafte Aktualität. Er gibt uns allen den Auftrag, an einem Europa in Frieden und Freiheit zu arbeiten.“

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag – immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent. Er wird in Deutschland seit 1919 begangen, eingeführt durch den im selben Jahr gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Ursprünglich ging es darum, Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Ersten Weltkriegs zu zeigen. Inzwischen gedenkt die Bundesrepublik aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.