Gedicht gegen Mobilmachung: Russe von Polizei wohl mit Hantel vergewaltigt

Drei Männer trugen in Moskau bei einem Protest ein Gedicht vor. Daraufhin seien sie brutal verhaftet und misshandelt worden. Ihnen drohen sechs Jahre Haft. 

Polizisten stehen in Moskau am Rande eines Protestes gegen die Teilmobilmachung. 
Polizisten stehen in Moskau am Rande eines Protestes gegen die Teilmobilmachung. dpa/AZ bsc

In Russland sitzen drei junge Männer in Untersuchungshaft, die bei einer Protestveranstaltung gegen die Teilmobilmachung ein Gedicht rezitiert hatten. Ein Gericht habe Artjom Kamardin, Igor Schtowba und Nikolaj Dainenko am Mittwoch für zwei Monate in Haft genommen, erklärte die Menschenrechtsorganisation OVD-Info. Gegen sie wird demnach wegen „Aufstachelung zum Hass mit der Androhung von Gewalt“ ermittelt. Im Falle einer Anklage und Verurteilung drohen ihnen sechs Jahre Haft.

Die drei jungen Männer hatten am Sonntag an einer Lesung vor einer Statue des Dichters Wladimir Majakowski in Moskau teilgenommen. Wie auf einem Youtube-Video zu sehen ist, sagte zu Beginn der Lesung ein Mann, es handele sich um eine Aktion gegen die Mobilmachung. Kamardin trug anschließend sein kritisches Gedicht „Töte mich, Milizionär!“ vor.

Anwalt von Kamardin spricht von brutaler Polizeigewalt

Am Montag wurde Kamardin bei einer Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen. Im Polizeigewahrsam wurde er nach Angaben seines Anwalts geschlagen und mit einer Hantel vergewaltigt. Dainenko wurde noch während der Lesung festgenommen und wegen Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration mit einer Geldstrafe belegt. Nach seiner Freilassung wurde er Montag erneut festgenommen, wie OVD-Info mitteilte.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte in der vergangenen Woche die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten für den Einsatz in der Ukraine bekannt gegeben. Die Entscheidung hatte Proteste im ganzen Land sowie einen Ansturm russischer Männer auf die Nachbarländer ausgelöst.