New Orleans - Hurrikan „Ida“ hat im südlichen US-Bundesstaat Louisiana erhebliche Schäden verursacht und mindestens ein Menschenleben gefordert. In der Gemeinde Prairieville sei eine Person von einem umstürzenden Baum tödlich verletzt worden, teilte das örtliche Sheriff-Büro am Sonntagabend (Ortszeit) auf Facebook mit. Der Ort liegt südöstlich von Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas. Zudem waren in dem Bundesstaat und im benachbarten Mississippi mehr als eine Million Kunden ohne Strom, wie aus Daten der Webseite poweroutage.us hervorging.

Das Zentrum des Sturms sei mit der Stärke vier von fünf aus dem Golf von Mexiko kommend südwestlich der Stadt New Orleans bei Port Fourchon auf die Küste getroffen, erklärte das NHC. Der Wirbelsturm habe beim Erreichen der Küste Windgeschwindigkeiten von rund 240 Kilometern pro Stunde mit sich gebracht, erklärte das NHC.

Hunderttausende Haushalte in Louisiana ohne Strom

Bereits Hunderttausende Haushalte waren kurz nach dem Auftreffen des Hurrikans ohne Strom. Nach dem Auftreffen des Wirbelsturms auf die Küste Louisianas meldete die Einsatzzentrale der Großstadt New Orleans am Sonntagnachmittag (Ortszeit) bereits „weit verbreitete Stromausfälle“. Die interaktive Karte des örtlichen Energieversorgers Entergy zeigte bereits mehr als 200.000 Haushalte ohne Elektrizität. Der Webseite Poweroutage.us zufolge waren im ganzen Bundesstaat wegen Sturmschäden bereits mehr als 370.000 Kunden ohne Strom.

Gouverneur John Bel Edwards aktivierte für den Hurrikan die Nationalgarde mit rund 5000 Soldaten. Die Katastrophenschutzbehörde flog Helfer und Vorräte in die Region, die Küstenwache stationierte zahlreiche Hubschrauber und Boote für den bevorstehenden Rettungseinsatz. Alle Flüge nach New Orleans wurden am Sonntag gestrichen. Wegen Tausender fliehender Anwohner der Küstengebiete waren die Autobahnen ins Landesinnere und in die Nachbarstaaten seit Samstag völlig überfüllt. Edwards warnte, „Ida“ werde beim Auftreffen auf Louisiana einer der stärksten Stürme seit 1850 sein.

Rettungskräfte können nach Aussage von Edwards erst ab Montagmorgen in die am schlimmsten von Sturmfluten betroffenen Gebiete vordringen. So lange Hurrikan „Ida“ noch über den küstennahen Gebieten tobe, sei es für Einsätze der Helfer zu gefährlich, sagte Edwards am Sonntagnachmittag (Ortszeit). 

Überschwemmungen und Sturm erreichen Küste südwestlich von New Orleans

Erste Ausläufer des Sturmsystems erreichten am Sonntagmittag (Ortszeit) die Küste südwestlich von New Orleans. Videos örtlicher Medien zeigten Überschwemmungen und heftige Windböen. Der NHC maß in einem küstennahem Feuchtgebiet südlich von New Orleans bereits ein um zwei Meter erhöhtes Wasserniveau. Am Flughafen der Stadt gebe es erste Windböen mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern.

„Ida“ traf in Louisiana auf den Tag genau 16 Jahre nach der Ankunft des verheerenden Hurrikans „Katrina“ auf Land. „Katrina“ hatte in und um New Orleans katastrophale Schäden und Überschwemmungen verursacht. Damals kamen rund 1800 Menschen ums Leben. Seither wurden in der Region allerdings Milliarden in den Hochwasserschutz investiert. New Orleans ist daher inzwischen besser vor Überschwemmungen geschützt, den jüngsten Prognosen zufolge muss die Stadt aber auch mit extrem zerstörerischen Windböen rechnen.

„Das wird eine lebensgefährliche Situation“

Die prognostizierten starken Winde, der massive Regenfall und die Sturmflut in Louisiana seien alle schon für sich allein betrachtet „lebensgefährlich“, sagte der NHC-Direktor Ken Graham am Sonntag dem TV-Sender CNN. Der Blick auf die Radarbilder des Sturms zeige wie „katastrophal das wird“, sagte Graham. „Das wird eine lebensgefährliche Situation“, warnte er. Graham appellierte an alle Menschen in der Region, sich in Sicherheit zu bringen.

Am Sonntagmorgen (Ortszeit) hatte „Ida“ über dem warmen Wasser des Golfs von Mexiko weiter an Kraft gewonnen und entwickelte sich zu einem „extrem gefährlichen Hurrikan“, wie das NHC mitteilte. Die Experten berichteten von Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometern pro Stunde. Ein solcher Sturm löst in der Regel „katastrophale Zerstörung“ aus.

US-Präsident Joe Biden ließ sich von der Katastrophenschutzbehörde Fema zu dem Sturm unterrichten. Fema habe bereits 500 Einsatzkräfte sowie 1,6 Millionen Liter Trinkwasser, eine Million Mahlzeiten und Generatoren in die Region gebracht, erklärte das Weiße Haus.

Schwerste Prüfung für Hochwassersystem in New Orleans

„Hurrikan ‚Ida‘ stellt eine direkte Bedrohung für die Menschen in New Orleans dar“, warnte Bürgermeisterin LaToya Cantrell. Wegen des schnell herannahenden Sturms habe es keine Zeit mehr gegeben, eine Pflicht-Evakuierung der ganzen Stadt anzuordnen. Sie ordnete daher nur die Evakuierung besonders gefährdeter Gebiete an, die außerhalb der Dämme liegen. New Orleans ist fast gänzlich von Wasser umgeben – im Norden liegt Lake Pontchartrain, im Osten Lake Borgne, im Süden gibt es die Feuchtgebiete entlang der Mississippi-Mündung. Für New Orleans galt seit Sonntag auch eine dringende Tornadowarnung.

„Ida“ wird nach Ansicht des Gouverneurs die bislang schwerste Prüfung für den Hochwasserschutz von New Orleans. Seit „Katrina“ habe es massive Investitionen in den Hochwasserschutz gegeben, sagte Edwards dem TV-Sender CNN. „Das wird, könnte man sagen, die schwerste Prüfung dieses Systems“, sagte Edwards. „Aber wir glauben, das System wird halten.“ Größere Sorgen machten ihm die Gebiete südwestlich der Stadt, die keinen derart ausgebauten Hochwasserschutz hätten, sagte Edwards. Viele der Anwohner jener Gebiete hätten ihr Zuhause bereits verlassen und sich in Sicherheit begeben. Er hoffe, dass es daher trotz der erwarteten Sturmflut kaum Opfer geben werde.

Warnung vor „lebensgefährlicher“ Sturmflut von fast fünf Metern Höhe

An Teilen der Küste Louisianas, südwestlich von New Orleans, wo der Sturm auf Land treffen soll, sei mit einer „lebensgefährlichen“ Sturmflut von fast fünf Metern Höhe zu rechnen, warnte das NHC. Am Lake Borgne sei mit fast vier Metern zu rechnen, am Lake Pontchartrain mit gut zwei Metern. Auch für Teile der östlichen Nachbarstaaten Mississippi und Alabama galten wegen des Hurrikans Flut-, Starkregen- und Tornadowarnungen.

„Ida“ sollte sich erst über Land abschwächen und am Montag nordöstlich nach Mississippi und Tennessee weiterziehen. Der Wirbelsturm war am Freitag als Hurrikan der Stufe eins über den Westen Kubas hinweggezogen. Dort verursachte „Ida“ nach Berichten staatlicher Medien Stromausfälle und Schäden.

Der Hurrikan verliert mittlerweile weiter an Stärke. Das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) stufte „Ida“ am späten Sonntagabend (Ortszeit) auf die Kategorie eins (von fünf) herab. Der Wirbelsturm bringe nunmehr maximal anhaltende Windgeschwindigkeiten von etwa 150 Kilometern pro Stunde und noch heftigere Böen mit sich, teilte das NHC in Miami mit. Die Behörde warnte weiter vor „katastrophalen Sturmfluten“, orkanartigen Winden sowie Sturzfluten.

Der Hurrikan bewegte sich über Land nur sehr langsam fort, daher sind die Orte in seinem Pfad längerer Zeit extremen Winden ausgesetzt. Experten befürchteten deshalb große Schäden.