Halle - Nachdem in einer Klinik in Halle manipulierte Blutproben von Neugeborenen gefunden worden sind, ermittelt die Polizei nun gegen eine mittlerweile entlassene Krankenpflegerin. Gegen die Frau werde wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und der Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt, teilte Oberstaatsanwalt Ulf Lenzner am Mittwoch mit. Sie werde verdächtigt, Blutproben an Neugeborenen entnommen zu haben, ohne die Proben anschließend ausgewertet zu haben. Ein Motiv lasse sich bisher nicht erkennen.

„Nach dem derzeitigen Stand unserer Nachforschung, dem Gespräch mit einer im Krankenhaus tätigen Person und behördlichen Ermittlungen gehen wir davon aus, dass die Blutproben durch diese Einzelperson bewusst verfälscht bzw. manipuliert worden sind“, heißt es in einem Brief des Direktoriums an die Mitarbeiter. Die Pflegerin sei umgehend entlassen worden, so der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Hendrik Liedtke. 

Bei einer Laboruntersuchung am 5. Oktober war festgestellt worden, dass es sich bei drei der eingereichten Proben aus der Geburts- und der Kindermedizin im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara nicht um das Blut von Säuglingen, sondern von Erwachsenen handelte. Das Neugeborenen-Screening dient den Angaben zufolge der Früherkennung etwa von angeborenen Stoffwechseldefekten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass durch die Manipulation bei vielen Kindern eine Erkrankung unerkannt blieb, ist nach Angaben der Klinik gering. Statistisch gesehen käme auf 1000 Geburten ein Kind mit einem positiven Befund. Insgesamt hatte die Tatverdächtige in ihrer Zeit an der Klinik nach Angaben der Staatsanwaltschaft rund 800 Proben entnommen.