Berlin - Mit heftiger Kritik hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf ein CDU-Wahlplakat reagiert, das eine als Polizistin verkleidete Mitarbeiterin der Parteizentrale zeigt. „So wie Polizisten nicht in Uniform auf Parteiversammlungen gehen dürfen, sollten Parteien auch nicht mit Fake-Polizisten in unserem Outfit für sich werben“, sagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende Jörg Radek der Bild.

Auf ihren Wahlplakaten mit dem Motto „Deutschland gemeinsam machen“ gibt sich die CDU bürgernah: Auf einem Plakat ist eine Polizistin mit drei Sternen auf der Schulterklappe zu sehen, die auf der Straße scheinbar ins Gespräch vertieft ist. Dazu der Slogan „Mit Sicherheit“. Ähnliche Plakatmotive zeigen eine lächelnde Altenpflegerin und einen Fotovoltaikanlagenbauer. Inzwischen ist aber klar, dass es sich bei diesen Menschen um CDU-Mitarbeitende und ihre Familienmitglieder handelt.

CDU-Politikerin Clara von Nathusius beklagt sich über „Clickbait mit Niveau“

Als Polizistin verkleidet ist zum Beispiel die Vizechefin der Onlinekampagne „CDU-Connect“, Clara von Nathusius. Sie bestätigt auf Twitter, „enttarnt“ worden zu sein. Sie nutz die Vokabel jedoch ironisch und schreibt weiter: „Statt echter Menschen sind wir bei der @CDU Maschinen.“ In einem weiteren Beitrag bezeichnet sie die Berichterstattung eines Mediums über die Fake-Plakate als „Clickbait mit Niveau“. 

twitter/ Clara von Nathusius
CDU-Politikerin Clara von Nathusius, hier nicht als Polizistin verkleidet.

Frau von Nathusius ist nicht einzige CDU-Politkerin, die sich für die Kampagne verkleidet hat. So ist Parteisprecherin Isabell Fischer ist als Altenpflegerin auf dem Wahlplakat zu sehen, auf einem CDU-Plakat für „bezahlbares Wohnen“ werben ihr Ehemann und ihr Sohn.

Gewerkschaft der Polizei: Das kann auch strafbar sein

„Das ist schon ziemlich panne“, meint die Dresdner SPD-Bundestagskandidatin Rasha Nasr und kritisiert, dass sich die Mitarbeitenden für jemanden ausgeben, der sie gar nicht sind. Eine andere Userin schreibt zum Foto, das Ehemann und Sohn der Parteisprecherin zeigt: „Ihr Ehemann hat wohl auch eher kein Problem mit bezahlbarem Wohnraum?“

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak begründete bei der Vorstellung der Wahlkampagne das Vorgehen damit, dass man für die Wahlplakate keine Pflegekräfte und Polizisten von ihrem wichtigen Job abziehen und kein Infektionsrisiko eingehen wollte. 

Diese Ausrede lässt Polizeigewerkschafter Radek nicht gelten. „Wir sind für alle Bürger da, nicht die Garnitur für Wahlprogramme, auch nicht die von Polizeifreunden“, betonte der Polizist. Er fügte hinzu: „Ohne Begleittext ‚Achtung! Wahlwerbung!‘ kann das auch strafbar sein.“