Tokio - Laurel Hubbard will einfach nur Gewichte heben, wie jede ihrer Konkurrentinnen. Doch wenn die Neuseeländerin in Tokio um Medaillen kämpft, wird sie dies auch als Pionierin tun. Die 43-Jährige ist die erste offene Transgender-Athletin bei den Olympischen Spielen. „Ich bin, wer ich bin. Ich bin nicht hier, um die Welt zu verändern“, erzählte Hubbard vor einigen Jahren in einem ihrer seltenen Interviews dem TV-Sender RNZ.

Und doch wird sie es wohl ein Stück weit tun – zumindest die Sportwelt. In der fühlte sie sich jedoch lange nicht zu Hause. Hubbard, die als Mann geboren wurde und sich doch nicht wie einer fühlte, begann mit dem Gewichtheben, um genau das zu ändern.

„Ich habe gedacht, wenn ich etwas so Maskulines mache, dass ich das auch werde. Aber das war traurigerweise nicht der Fall“, berichtete sie: „Traurig in dem Sinne, weil es einige der dunkelsten Zeiten in meinem Leben etwas einfacher gemacht hätte.“

Mit 23 Jahren hörte Hubbard mit dem Gewichtheben auf

Der Druck, in eine Welt zu passen, „die einfach nicht gemacht war für Menschen wie mich“, wurde 2001 schließlich zu groß. Im Alter von 23 Jahren hört Hubbard auf. Und das, obwohl das Gewichtheben für die Neuseeländerin „so ein Nervenkitzel ist“.

Doch 2012 lässt Hubbard ihr Geschlecht anpassen, nimmt an internationalen Wettkämpfen teil, 2017 holt sie Silber (+90 kg) bei der WM, bei den Pazifikspielen 2019 sogar die Goldmedaille (+87 kg). Und nun soll Hubbard am Montag auch die olympische Bühne betreten. Und das gefällt nicht allen.

Kritik: Transgender-Personen hätten biologische Vorteile

So meldete sich die belgische Gewichtheberin Anna Van Bellinghen im Vorfeld bei Inside the Games zu Wort. Sie unterstütze die Transgender-Community, aber die Situation sei „unfair für den Sport und die anderen Athletinnen“, klagte die 27-Jährige. Immer wieder Thema der Kritiker in solchen Fällen: biologische Vorteile.

Mögliche Vorteile, „zu denen geforscht wird“, sagte Richard Budgett, der für medizinische Fragen zuständige Direktor beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC): „Es gibt keine IOC-Regeln für die Teilnahme von Transgender-Personen, es hängt vom Verband ab.“ Außerdem müssten viele Faktoren bei der Vorteilsfrage berücksichtigt und „gegen alle anderen Nachteile der Veränderung“ abgewogen werden.

Auch eine von Hubbards Olympia-Konkurrentinnen, Emily Jade Campbell (Großbritannien), bekräftigte im Independent: „Sie hat sich fair wie jede andere auch für diesen Wettbewerb qualifiziert.“ Außerdem seien die entsprechenden Richtlinien des Weltverbandes und des IOC für Transgender-Athleten erfüllt, zitiert die BBC Kereyn Smith, Chefin des olympischen Komitees von Neuseeland.

So muss die Geschlechtsangleichung unter anderem mindestens vier Jahre zurückliegen und der Testosteronspiegel zwölf Monate unter einem bestimmten Wert gelegen haben.

Im kanadischen Frauenfußball-Nationalteam spielt eine nicht-binäre Person

Regularien, mit denen sich Quinn aus dem kanadischen Frauenfußball-Nationalteam nicht auseinandersetzen musste. Die erste offen nicht-binäre Person bei den Spielen in Tokio identifiziert sich also weder mit dem männlichen noch mit dem weiblichen Geschlecht. Da der Sport aber in binären, biologischen Kategorien organisiert ist, spielt Quinn weiter für das Frauen-Team.

Und Hubbard? Die will einfach nur sie selbst sein und „tun, was ich tue“, erzählte sie RNZ – und damit vielleicht eine Medaille gewinnen.