Einer der bekanntesten Berliner Politiker ist jetzt Gewerkschafter. Marcel Luthe, der zuletzt für die Freien Wähler antrat, hat die „Good Governance Gewerkschaft“ (GGG) gegründet. Der Berliner Zeitung sagte Luthe, er wolle auch, aber nicht nur „gegen restriktive Corona-Maßnahmen und die drohende Impfpflicht in Betrieben kämpfen“. Luthe: „Nie hat eine Regierung tiefer in die Situation am Arbeitsplatz eingegriffen wie derzeit in Deutschland, für Angestellte, Arbeiter, Auszubildende, Freiberufler gleichermaßen.“ Zugleich fände „die Kontrolle der Regierung durch das Parlament und des Parlaments durch den Bürger nicht wirksam genug statt“. Das habe er in seiner jahrelangen Arbeit als aktiver Politiker „live und in Farbe“ erlebt.

„Die Befürworter der Corona-Maßnahmen etwa, die sich weit überwiegend bis heute nicht als wirksam erwiesen haben, profitieren von der Möglichkeit, die rationale Kritik an der Aufweichung betrieblichen Daten-, Kündigungs- und auch Gesundheitsschutzes als Einzelmeinung darzustellen, die man vernachlässigen könne“, sagt Luthe. Die Gesellschaft erlebe in diesem Zusammenhang aktuell, wie „der Rechtsstaat so stark geschwächt wird, dass er den Alleingängen der Exekutive kaum noch etwas entgegensetzen kann“.

Dieser in seinen Augen „zutiefst undemokratischen und damit höchst gefährlichen Entwicklung“ will Luthe nun als Gewerkschaftsboss entgegentreten. Man wolle dazu „im Sinne gewerkschaftlicher Prinzipien“ in Betrieben informieren und aufklären. An erster Stelle stehe dabei, sagt Luthe, „mit Arbeitgebern in den Dialog zu treten“. Sollten hier aber keine Ergebnisse erzielt werden, werde man alle Mittel der gewerkschaftlichen Arbeit nutzen. Luthe: „Dazu gehört als Ultima Ratio auch der Streik.“

Luthe selbst ist Gründungsmitglied und Bundesvorsitzender der GGG. An seiner Seite stehen Stefan Lutter, ehemaliger Profi-Sportler und Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR), sowie Ilja Martin von Brünken, Opernsänger, Startup-Unternehmer und Gastronom aus Pankow. Allein in den letzten Tagen habe es Hunderte neue Mitgliedsanträge gegeben. Zudem steht Luthe nach eigenen Angaben mit Vertretern mehrerer Branchen in Austausch. Dem Vernehmen nach sind darunter auch hochrangige Berliner Vertreter von Polizei und Feuerwehr.