AhlenHäftlinge der Justizvollzugsanstalt Bielefeld haben unter anderem auf dem verwilderten Garten-Grundstück des Kinderschutzbundes im münsterländischen Ahlen einen neuen Spielplatz gebaut. „Wir können so der Gesellschaft etwas zurückgeben, was wir ihr durch unsere Straftaten genommen haben“, bringt Volker C. das Projekt „Manpower“ auf den Punkt. Der Initiator des Projekts und selbstständige Gartenbauer verbüßt selbst eine Strafe wegen Betruges. Wie die Projekt-Teilnehmer ist er im offenen Vollzug untergebracht und führt sein Unternehmen weiter.

Seit zwei Jahren ist er nun regelmäßig während des samstäglichen Ausgangs mit seinen Mithäftlingen in freiwilliger Mission unterwegs, um Spielplätze zu bauen: Bäume fällen, sich durch meterhohes Brombeergestrüpp kämpfen und zuletzt Rindenmulch ausbringen, wie an diesem Tag in Ahlen. Oder Spielgeräte bunt streichen, Sandkästen anlegen, Blumen pflanzen, Rasen ausrollen, wie in mehreren Kitas im ebenfalls in Reichweite der JVA-Außenstellen gelegenen Sassenberg. Fast 120 Häftlinge haben seit Projektstart mitgemacht, seit Kurzem die ersten Frauen. „Am Anfang wollte ich was gegen die Langeweile tun. Dass da keiner auf dumme Gedanken kommt“, sagt C. Längst sei ihm klar, wieviel mehr das Projekt bewirke.

Eltern bringen Kaffee 

Draußen sei die Idee zunächst durchaus auf Vorbehalte bei Eltern und Erzieherinnen gestoßen: Straffällig gewordene Männer in Kitas – passt das? Die Ängste habe man schnell ausräumen können. „Überall wo wir sind, stoßen wir auf ganz, ganz große Resonanz“, sagt C. „Es gab noch nie eine negative Rückmeldung“, versichert er. Im Gegenteil: „Wir kriegen mittlerweile von den Eltern auch mal ein Frühstück gebracht oder ordentlichen Kaffee“, berichtet Mitstreiter Dieter Obermann. Noch größer sei der Ansporn, wenn er an die Freude der Kinder denke, sagt er und zeigt die bunten Bilder, die einige Kitagruppen den Häftlingen als Dankeschön haben zukommen lassen.

Auch der nordrhein-westfälische Justizminister lobt das Projekt als „wichtiges Beispiel von Wertschätzung“. Die Mitwirkenden zeigten beachtliches Engagement und erhielten direkt aus der Gesellschaft Feedback für ihre Leistung, sagt Peter Biesenbach.

Nur Häftlinge, die keine Straftaten gegenüber Kindern verübt haben

Mit Ausnahme von Straftätern, die sich Kindern gegenüber schuldig gemacht haben, dürfen alle teilnehmen, die im offenen Vollzug der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne untergebracht sind – eine riesige Einrichtung mit 1500 Haftplätzen in zwei Hafthäusern und 15 in Westfalen verstreuten Außenstellen. Sie hätten bereits durch ihre Eignung für den offenen Vollzug gezeigt, dass sie mit gewissen Freiheiten umgehen können, sagt JVA-Leiterin Kerstin Höltkemeyer-Schwick.

Aus ihrer Sicht erweist sich der Ansatz als „fantastisches Resozialisierungsprojekt“ – und damit genau als das, worum es im offenen Vollzug gehe: Die Häftlinge sollen auf das Leben nach der Haft vorbereitet werden. Das Projekt wirke auf so vielen Ebenen: Es entstehen Spielplätze, für die sonst vielleicht das Geld fehle; „die Gefangenen können zeigen, dass sie wieder dazugehören, und die Gesellschaft kann lernen, das zu akzeptieren“, sagt Höltkemeyer-Schwick. Somit transportiere das Projekt auch eine Botschaft, die ihr wichtig sei: „Wir haben hier keine weggesperrten Monster, sondern Menschen, die sich wieder integrieren wollen.“

Zu ihnen zählt auch eine 52-Jährige, die seit kurzem mit dabei ist und noch drei Jahre Haft wegen Betruges vor sich hat. Ihr gefalle es, daran mitzuwirken, dass Kinder einen Raum haben, sich auszuprobieren, sagt sie. Dafür verzichte sie an diesem Tag sogar darauf, ihr eigenes Kind zu sehen. „Das habe ich auf morgen verschoben, denn das hier ist auch wichtig.“ Es tue ihr gut, an der frischen Luft mit den Händen zu arbeiten. „Die Haft ist anstrengend. Es gibt Dissonanzen, viele Regeln, geschriebene und ungeschriebene. Da ist das hier ein guter Ausgleich“, sagt sie und deutet auf den Spaten. Sie will weitermachen, denn da kommt auch schon die nächste Ladung Rindenmulch.