Geiselnahme in Dresden: Mutter starb durch Kopfschuss – offene Fragen bleiben

Noch ist vieles zum Hintergrund der dramatischen Geiselnahme in Dresden offen. Klar ist inzwischen, die Mutter des Täters starb durch einen Kopfschuss.

Absperrband der Polizei liegt vor dem geschlossenen Einkaufszentrum Altmarkt-Galerie.
Absperrband der Polizei liegt vor dem geschlossenen Einkaufszentrum Altmarkt-Galerie.dpa/Sebastian Willnow

Für die Ermittler im Fall der Geiselnahme von Dresden beginnt nun die kriminalistische Aufarbeitung der Tatumstände. Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft Dresden geführt. Dabei muss unter anderem geklärt werden, wie der Täter an die Waffe gelangte.

Klar ist wohl, dass der Geiselnehmer von Dresden seine Mutter erschossen hat. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass die 62-Jährige infolge eines Kopfschusses gestorben ist, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag mitteilten. „Die Waffe befand sich nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht legal im Besitz des Beschuldigten.“ Der 40-Jährige sei „geringfügig und nicht einschlägig vorbestraft“ und zuletzt 2016 wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Zuge der Ermittlungen wird auch Hinweisen nachgegangen, dass der Mann weitere Menschen in der Innenstadt bedroht haben soll.

Hintergrund zur Geiselnahme in Dresden noch unklar

Zuvor soll er die Frau am Morgen in deren Wohnung am Stadtrand getötet und dann versucht haben, mit Waffengewalt beim Sender Radio Dresden in der City einzudringen. Mit dem 9-jährigen Kind einer Bekannten soll er sich danach im Büro eines Geschäfts in der Altmarkt-Galerie verschanzt und noch eine 38-jährige Angestellte als Geisel genommen haben. Am Mittag war der Mann dann in dem Einkaufszentrum überwältigt worden und wenig später an dabei erlittenen Verletzungen gestorben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er psychisch krank war. 

Am Wochenende hielt sich die Polizei mit Details der Geiselnahme und damit im Zusammenhang stehenden Straftaten bedeckt. „Weitere Angaben sind derzeit nicht möglich. Die Aufarbeitung des Einsatzes und die Ermittlungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, hieß es.

Gesichert ist derzeit, dass der Täter beim Zugriff durch Spezialkräfte am Mittag überwältigt werden konnte. Er starb wenig später an den dabei erlittenen Verletzungen. Was den 40-Jährigen zu den Verbrechen trieb, ist bislang unklar.

Polizei stürmte Raum der Geiselnahme

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben zunächst versucht, den Täter zum Aufgeben zu bewegen. Als herbeigerufene Spezialkräfte des Landeskriminalamtes in dem Büro Schussgeräusche hörten, stürmten sie den Raum und verletzten dabei den Täter schwer. Die Geiseln blieben unverletzt.

Gegen den getöteten Geiselnehmer läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Totschlags, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Dabei sollen auch alle Hintergründe der Tat aufgeklärt werden. Das Verfahren war noch vor dem Tod des Täters eingeleitet worden, als er im Verdacht stand, seine Mutter getötet zu haben. Die Ermittler wollen aber auch die Todesumstände des Geiselnehmers untersuchen.