Ein indisches Ehepaar hat seinen einzigen Sohn und dessen Frau  verklagt – weil diese ihnen nach sechs Jahren Ehe noch immer keine Enkelkinder geschenkt haben: 50 Millionen Rupien Schadenersatz – das sind umgerechnet mehr als 600.000 Euro – fordern Sadhana und Sanjeev Prasad, sollte die Schwiegertochter nicht binnen eines Jahres ein Kind zur Welt bringt. „Sie haben ihn großgezogen, sie haben ihm Erziehung und Bildung angedeihen lassen, sie haben ihn fürs Leben ertüchtigt“, zitiert CNN den Rechtsvertreter des Ehepaars,  Arvind Srivastava.

„Unser Sohn ist seit sechs Jahren verheiratet, aber sie planen immer noch kein Baby“, monierte der Vater Sanjeev Prasad, ein 61-jähriger ehemaliger Regierungsbeamter, in der Klage, die er gemeinsam  mit seiner Frau in Haridwar im  Bundesstaat Uttarakhand im Norden Indiens eingereicht hat. „Ein Enkelkind zu haben, mit dem wir Zeit verbringen können, würde unseren Schmerz erträglicher machen“, erklärte er. Seine Frau ergänzte, das Ausbleiben des Nachwuchses sei eine „seelische Grausamkeit“.

Alle Eltern würden eines Tages gerne Großeltern werden, so der Anwalt der beiden Senioren weiter auf CNN. Sie hätten ihren Sohn nicht verheiratet, damit sie danach allein leben müssten. Das Paar würde älter und habe niemanden, der sich um es kümmere. Sohn, 35, und Schwiegertochter, 31, seien in eine andere Stadt gezogen und hätten die Kommunikation mit ihnen praktisch beendet.

Ihnen sei nun nur noch der Schritt vor Gericht geblieben, weil sie jedes Mal, wenn sie die jungen Leute auf das Thema Nachwuchs angesprochen hätten, eine ausweichende Antwort erhalten hätten, erklärte die Mutter Sadhana Prasad. „Ihre Entscheidung, sich nicht fortzupflanzen, würde das Ende unseres Familiennamens bedeuten.“

Wie die Zeitung Times of India berichtet, beinhaltet die geforderte Entschädigung die Kosten für die Hochzeitsfeier von Sohn und Schwiegertochter in einem Fünf-Sterne-Hotel, ein Auto sowie die Flitterwochen in Thailand. Außerdem hätten die Eltern mehr als 60.000 Euro ausgegeben, um ihrem Sohn eine Pilotenausbildung in den USA zu finanzieren. Seit seiner Rückkehr nach Indien sei er jedoch arbeitslos.

„Wir mussten außerdem einen Kredit aufnehmen, um unser Haus zu bauen, und jetzt stecken wir in großen finanziellen Schwierigkeiten“, klagen die alten Herrschaften. „Auch psychisch sind wir ziemlich angeschlagen, weil wir alleine leben.“

In Indien ist die Familie traditionell sehr wichtig, und es gilt als familiäre Pflicht, sich um die Pflege der alternden Eltern und Schwiegereltern zu kümmern. Heutzutage aber wollen immer mehr junge Paare alleine leben, und viele junge Frauen wollen nach der Heirat lieber arbeiten, als Kinder zu bekommen und zu Hause zu bleiben.

Im Jahr 2020 sorgte ein Familienstreit in Delhi für Schlagzeilen, der damit endete, dass ein Richter des Obersten Gerichtshofs die Söhne dazu verurteilte, für den Vater zu sorgen, und sie zurechtwies: „Alles, was ihr seid, seid ihr seinetwegen.“ Das Gericht hielt fest, dass es die „moralische Pflicht und die rechtliche Verpflichtung“ eines Sohnes sei, sich um seine alternden Eltern zu kümmern. (mit AFP)