Geldtransporter-Überfall im Juni: Razzien in Berlin, ein Mann verhaftet

Ende Juni wurde ein Geldtransporter in Wilmersdorf überfallen. Nun gab es vier Durchsuchungen. Es geht um Strafvereitelung.

Der überfallene Werttransporter am Tattag in der Uhlandstraße im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (ARchivbild).
Der überfallene Werttransporter am Tattag in der Uhlandstraße im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (ARchivbild).dpa/Christoph Soeder

Im Zusammenhang mit dem Überfall auf einen Geldtransporter am 29. Juni in Wilmersdorf hat die Polizei Berlin am Mittwochvormittag vier Durchsuchungsbeschlüsse und einen Haftbefehl vollstreckt – unter anderem auch in der Justizvollzugsanstalt Tegel und bei einem Rechtsanwalt. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam mit. Demnach geht es um mutmaßliche Strafvereitelung.

Zu den Durchsuchungen kam es, weil sich herausgestellt hatte, dass für das am 8. Juli sichergestellte mutmaßliche Fluchtauto der Täter eine angeblich in Berlin-Mitte ansässige Autovermietung verzeichnet war. Bei der Geschäftsanschrift handelte es sich aber um eine Scheinanschrift. Hinter der vermeintlichen Autovermietung soll ein 46-Jähriger stehen, der derzeit eine mehrjährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Tegel verbüßt und in der Redaktion der Gefangenenzeitschrift „Lichtblick“ tätig ist.

Laut den Ermittlern steht der Mann im Verdacht, über das Telefon in der Redaktion und ein eigenes Handy daran gearbeitet zu haben, dass der eigentliche Nutzer des Tatfahrzeugs - und damit mutmaßlichen Geldtransporter-Räuber - nicht ausfindig gemacht werden kann. Geholfen haben sollen ihm dabei ein Rechtsanwalt sowie ein 29-Jähriger und dessen 24-jährige Verlobte.

Gruppe hatte laut den Ermittlern einen ausgeklügelten Plan

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gruppe folgenden Plan hatte: Die Frau sollte gegenüber der Polizei zunächst behaupten, der 29-Jährige habe das Auto zum Tatzeitpunkt genutzt. Kurz darauf sollte sich dieser dann selbst bei der Polizei als Fahrzeugnutzer melden und so den Tatverdacht für den Geldtransporterüberfall auf sich lenken. Er würde sich dann – aufgrund des potenziellen Beschuldigtenstatus – auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen. Als sein Verteidiger meldete sich absprachegemäß der mitbeschuldigte Rechtsanwalt.

Gegen den Rechtsanwalt wird nun wegen Strafvereitelung ermittelt, bei der Durchsuchung fanden die Beamten unter anderem Ausweispapiere, die er für den angeblichen Fluchtfahrzeugmieters besorgt haben soll. Der 29-Jährigen wurde am Mittwoch wegen des Vorwurfs der Strafverteilung sowie des gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges verhaftet. Er soll nämlich auch Mobiltelefone zu Verträgen, die der in der JVA Tegel inhaftierte 46-Jährige von dort aus telefonisch unter Falschpersonalien abgeschlossen haben soll, entgegengenommen und weiterveräußert haben.