Ein Gericht in Los Angeles hat die Klage einer georgischen Schachspielerin gegen den Streamingdienst Netflix wegen ihrer Darstellung in der erfolgreichen Serie „Das Damengambit“ zugelassen. Bundesrichterin Virginia Phillips begründete ihre Entscheidung damit, dass „die Tatsache, dass es sich bei der Serie um ein fiktionales Werk handelt, Netflix nicht von der Haftung für Verleumdung befreit“. Nona Gaprindaschwili hatte Netflix im Herbst auf fünf Millionen Dollar (4,24 Millionen Euro) Schadenersatz verklagt.

Die Darstellung ihrer Person sei „sexistisch und herabsetzend“, hieß es in der Klageschrift, die Gaprindaschwili bei dem Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien einreichte. Die Behauptung einer Figur in der Serie, dass die Georgierin niemals in Schach-Turnieren gegen Männer angetreten sei, sei „erwiesenermaßen falsch“.

Gaprindaschwili im „Damengambit“ als Russin statt als Georgierin beschrieben

Die 80-Jährige hatte 1968, dem Jahr, in dem auch die Serie spielt, gegen Dutzende männliche Konkurrenten gespielt. Zu allem Überfluss sei Gaprindaschwili im „Damengambit“ als Russin statt als Georgierin beschrieben worden.

Die Anwälte von Netflix hatten versucht, die Klage mit der Begründung abzuweisen, dass es sich bei der Serie um ein fiktionales Werk handle und sie daher durch die Meinungsfreiheit geschützt sei. Richterin Phillips befand am Donnerstag jedoch, dass dieser Umstand Netflix nicht von der Haftung befreie.

„Das Damengambit“ ist die erfolgreichste Mini-Serie von Netflix überhaupt. Nach Angaben des Streamingdienstes schauten allein in den ersten 28 Tagen 62 Millionen Haushalte die Geschichte des fiktiven Schachgenies Beth Harmon. Die Serie mit Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle trieb weltweit den Verkauf von Schachbrettern in die Höhe.