Berlin - Das neue Schuljahr startet für Schüler in Berlin trotz einstelliger Inzidenzen mit Maskenpflicht und Testpflicht. Für mindestens zwei Wochen nach Schulbeginn sollen die Corona-Maßnahmen laut Angaben der Senatsverwaltung für Bildung gelten. Erst dann soll neu überlegt werden. Der Chef des Frankfurter Gesundheitsamtes, Prof. Dr. Dr. med. René Gottschalk fordert jetzt im Ärzteblatt, sowohl Maskenpflicht als auch Testpflicht an Schulen abzuschaffen. 

Auch seine frühere Vize, Prof. Dr. med. Ursel Heudorf unterstützt die Forderungen. Aus Sicht der Mediziner sollte „angesichts der erheblichen Effekte des Lockdowns auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder im Herbst 2021 ein normaler Betrieb stattfinden – mit guter Husten- und Niesetikette, Händehygiene – ohne Test- und Maskenpflicht“.

Damit stellen sich Gottschalk und Heudorf im aktuellen Ärzteblatt gegen Teile der Politik und Wissenschaft, die auch das kommende Schuljahr bis mindestens Anfang 2022 mit Maskenpflicht und Wechselunterricht durchziehen wollen. Dass„ asymptomatisch infizierte Kinder häufig die Viren übertragen (...), hält sich hartnäckig“, schreibt der Gesundheitsamt-Chef weiter. Es gebe aber „keine Daten, die diese Befürchtung jemals belastbar bestätigt haben“. Kinder sollten „endlich wieder ein normales Leben“ führen dürfen. 

„Fragwürdige Tests, zu denen Gesundheitsämter verpflichtet waren“

Bezüglich Warnungen der Lehrerverbände, die eine Rückkehr zur Normalität als gefährlich empfinden, entgegnet Gottschalk, dass Mitarbeiter und Betreute in Schulen und Kitas „selten schwer“ erkrankten. „1,6 Prozent der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Mitarbeiter und 0,9 Prozent der Kinder bedürfen einer Krankenhausbehandlung.“

Auch in anderen Bereich des Lebens und in Hinblick auf Erwachsene müsse man vom „Test-, Überwachungs- und Regelungswahn“ wegkommen. Gottschalks Forderungen: „Keine anlasslosen Tests mehr bei asymptomatischen gesunden Menschen. Keine umfangreichen Isolierungs- und Quarantänisierungsmaßnahmen aufgrund fragwürdiger Tests, zu denen die Gesundheitsämter entgegen besserem (aber von der Politik konsequent ignoriertem) Wissen verpflichtet waren. Keine umfassenden einschränkenden Maßnahmen aufgrund immer wieder neuen Inzidenzen.“

Es sei wesentlich, „den Alarmismus endlich zu verlassen und Wissen statt Angst zu verbreiten“. Und: „Angst und Lagerdenken sind hier keine guten Berater.“