Berlin - Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat sich vorerst gegen Lockerungen für geimpfte Bürger ausgesprochen. Sie plädierte am Montag im Abgeordnetenhaus dafür, zu warten, bis die dritte Corona-Welle abgeflaut ist.

In Berlin haben aktuell 14,64 Prozent der Menschen eine Erstimpfung erhalten. 7,04 Prozent sind bereits vollständig geimpft. Kalayci sei für die Gleichbehandlung von Geimpften und nicht geimpften Menschen. Grund dafür sei auch, dass bisher unklar sei, wie viele geimpfte Menschen das Virus weitergegeben haben. Die Gesundheitssenatorin setzt sich daher weiterhin für tagesaktuelle Schnelltests – auch für Geimpfte – ein.

Testzentren zu 35 Prozent ausgelastet

In manchen Bezirken gestaltet sich der Weg zur nächsten Teststelle allerdings schwierig. Berlinweit gebe es inzwischen gut 375 Stellen, an denen Corona-Schnelltests möglich seien, sagte Kalayci am Montag im Gesundheitsausschuss. Mehrere Abgeordnete hatten darauf hingewiesen, dass der Weg zur nächsten Teststelle mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Außenbezirken zum Teil mehr als eine halbe Stunde dauere. Kalayci sagte, Lücken gebe es vor allem außerhalb des S-Bahn-Rings etwa in Bezirken wie Reinickendorf und Spandau. „Das ist eine Frage, wo wir noch nachsteuern werden“, sagte die Gesundheitssenatorin.

So seien zusätzlich zu den bisher 19 landeseigenen Testzentren fünf weitere geplant, darunter in Treptow-Köpenick, wo es bisher noch keines gebe. Berlinweit seien 1,2 Millionen Schnelltests pro Woche möglich. Die Auslastung der Teststellen liege bei 35 Prozent. Die  Testzentren ihrer Behörde sind Kalayci zufolge dabei deutlich besser ausgelastet als die privaten Test-to-go-Stellen. Rund ein Prozent der Tests seien positiv.

„Es ist klar, dass man direkt um die Ecke vielleicht nichts findet“, sagte Kalayci. Es sei aber auch unmöglich, Teststellen herzuzaubern. „Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Apotheken mitmachen“, so die Gesundheitssenatorin. Es sei ausdrücklich möglich, dass Apotheken Schnelltests auch außerhalb der eigenen Räume anbieten könnten. Allerdings seien die Kapazitäten von Apotheken vergleichsweise begrenzt.

Kalayci: Berlin kann Covid-Patienten aus anderen Bundesländern aufnehmen

Die Gesundheitssenatorin geht zudem davon aus, dass Berlin bald Corona-Patienten aus anderen Bundesländern aufnehmen wird. In der Hauptstadt selbst liegt die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten laut dem Lagebericht der Gesundheitsverwaltung vom Montag bei 26,3 Prozent und bei der Corona-Warnampel damit im roten Bereich. Es gebe einen klaren Trend nach oben, sagte Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss. „Wir haben aber auch freie Bettkapazitäten“. Berlinweit seien 176 infrage kommende Betten frei. Innerhalb von 24 Stunden seien 283 weitere Intensivbetten aktivierbar. Kalayci wies auf Vereinbarungen im Verbund mit anderen Bundesländern wie Brandenburg, Thüringen oder Sachsen hin, sich bei Bedarf gegenseitig zu unterstützen. In Brandenburg und Thüringen sei die Auslastungssituation angespannt, sagte Kalayci. Sie gehe davon aus, dass eine Hilfestellung zwischen den Bundesländern erforderlich sein werde. „Bisher gibt es noch keinen Antrag, Patienten zu übernehmen, aber wir rechnen, wenn die Entwicklung so weitergeht, sehr bald damit“.