Potsdam - Ein halbes Jahr nach der Gewalttat mit vier Toten in einem Potsdamer Wohnheim für Behinderte muss sich eine 52-jährige Pflegekraft wegen Mordes und Mordversuchs von Dienstag an vor Gericht verantworten. Laut Anklage soll die 52-Jährige Ende April fünf schutzlose Bewohner mit einem Messer angegriffen und vier von ihnen getötet haben. Eine Frau überlebte nach einer Notoperation. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Pflegekraft die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen hat. Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage bis zum 9. Dezember angesetzt.

Die Pflegekraft, die viele Jahre in der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus arbeitete, wurde nach der Tat in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Tat hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Gerichtsverfahren kann sich positiv auf Trauerprozess auswirken

„Ich bin froh und erleichtert, dass der Prozess jetzt beginnt“, sagte der Theologische Vorstand des Oberlinhauses, Matthias Fichtmüller der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei wichtig, um den Trauerprozess abschließen zu können. Das Oberlinhaus habe sich im vergangenen halben Jahr auf die Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner und des Personals konzentriert. Seelsorgerische Angebote stünden jederzeit zur Verfügung. „Jetzt, wo der Prozessbeginn bekannt geworden ist, wird das Angebot auch wieder vermehrt angenommen“, sagte Fichtmüller. „Ich bin davon überzeugt, dass die Justiz diesen Prozess angemessen zu Ende bringen wird.“

Strafverteidiger fragt nach der Mitverantwortung des Arbeitgebers

Der Verteidiger der 52-Jährigen, Henry Timm, zeigte sich entschlossen. „Sicher ist die Aufarbeitung des Tatgeschehens und der Umstände, die dazu führten, zwingend notwendig“, sagte er der dpa. Timm sieht dabei auch eine Mitverantwortung beim Arbeitgeber. „Dies gilt dann, wenn Arbeitgeber nicht davor zurückschrecken, ihre Mitarbeiter über ihre Belastungsgrenze hinaus weiter arbeiten lassen, ohne bei Anzeichen von Überlastung geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, sagte Timm.