Berlin - In Deutschland sind knapp 2,8 Millionen Menschen trotz Vollzeitjob selbst nach 45 Arbeitsjahren von Altersarmut bedroht. Darauf wies am Montag die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung hin. Gewerkschaftschef Guido Zeitler forderte deswegen eine Stärkung des gesetzlichen Rentensystems.

„Altersarmut ist kein Schreckensszenario der Zukunft, sondern für viele Menschen längst Realität“, warnte Zeitler. Laut NGG verdienen 13 Prozent aller Beschäftigten, die in Vollzeit arbeiten, weniger als 2050 Euro brutto im Monat. Rein rechnerisch müssten sie demnach mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle von aktuell 835 Euro zu kommen. Als Beispiele nannte die Gewerkschaft Beschäftigte in Bäckereien oder Gaststätten.

Zahl der armutsgefährdeten Menschen ab 65 nimmt zu

„Rentenkürzungen oder Forderungen über ein späteres Eintrittsalter sind der falsche Weg“, wies Zeitler entsprechende Forderungen zurück. Vielmehr dürfe das Rentenniveau, also die durchschnittliche Rente nach 45 Beitragsjahren bei mittlerem Verdienst, nicht weiter absinken.

Bereits die seit dem Jahr 2000 erfolgte Absenkung des Rentenniveaus von damals rund 53 Prozent auf aktuell 48 Prozent bedeute, „dass Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 2050 Euro brutto im Monat statt 42 nun fast 46 Jahre lang arbeiten müssen, um überhaupt noch die Grundsicherungsschwelle im Alter zu erreichen“, kritisierte Zeitler. Da dies faktisch für viele gar nicht möglich sei, bedeute jede Anhebung des Renteneintrittsalters „faktisch eine Rentenkürzung“, kritisierte der Gewerkschaftschef.

Die NGG verwies auch auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach jetzt schon die Zahl der Menschen, die in der Altersgruppe ab 65 armutsgefährdet sind, weiterhin zunehme. Aktuell seien dies 18 Prozent, vier Prozentpunkte mehr als 2009.

Zur Stabilisierung der Rentenkassen forderte Zeitler weitere Mittel aus dem Bundeshaushalt sowie den Ausbau der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen. „Nach einem langen Berufsleben müssen sich die Menschen darauf verlassen können, den Ruhestand in Würde genießen zu können“, forderte der NGG-Chef.