Berlin - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) dringt auf rasche Corona-Impfungen für rund 33.000 Erzieher in den Berliner Kitas. „Wir setzen uns daher dafür ein, dass Erzieherinnen und Erzieher bei der Impfung priorisiert werden“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doreen Siebernik der Deutschen Presse-Agentur. „Es geht hier nicht nur um den Schutz der Kolleginnen und Kollegen selbst, sondern auch darum, Infektionsketten in den Einrichtungen zu unterbinden.“

Siebernik verwies auf eine Studie der AOK, wonach Erzieher in der Pandemie besonders gefährdet sind. „Der Beruf des Erziehers beziehungsweise der Erzieherin steht auf Platz eins der Liste der in Corona-Zeiten gefährlichsten Berufe“, sagte sie. „Keine andere Berufsgruppe war zwischen März und Oktober 2020 so häufig wegen einer Covid-19-Infektion krankgeschrieben.“

Momentan bieten Berliner Kitas im Lockdown eine Notversorgung an – nicht zuletzt für Kinder, deren Eltern zu wichtigen Berufsgruppen gehören. Viele Einrichtungen sind dennoch gut gefüllt.

Erzieher wollen besseren Gesundheitsschutz

Über die Reihenfolge der Impfungen entscheidet der Bund auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Erzieher oder Lehrer sind derzeit in einer dritten Gruppe mit „erhöhter Priorität“ aufgeführt und somit angesichts knapper Impfstoffmengen absehbar noch länger nicht dran.

Momentan werden Menschen über 80, Pflegeheimbewohner sowie Pflegekräfte und medizinisches Personal in Krankenhäusern geimpft. Sie haben „höchste Priorität“. Der nächsten Gruppe mit „hoher Priorität“ gehören unter anderem über 70-Jährige, niedergelassene Ärzte und Polizisten an.

Vor kurzem hatten 13.000 Berliner Erzieher innerhalb kurzer Zeit einen „Brandbrief“ unterzeichnet, in dem die GEW den Senat auffordert, mehr für den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu tun. Zu den Forderungen zählen auch mindestens zwei FFP2-Masken pro Tag für jeden Beschäftigten, Schnelltests, Luftfilteranlagen für alle Einrichtungen und die Anerkennung der Folgen einer Infektion mit Covid-19 als Berufskrankheit.

GEW-Chefin Siebernik wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass das Land Berlin im Herbst 45 Millionen Euro bewilligt habe, damit Kita-Träger besonders gefährdeten Kindern und Erziehern aus Risikogruppen besondere Betreuungsangebote machen können. „Das können kleinere Gruppen oder feste Gruppen für besonders gefährdete Kinder sein, das kann eine aufsuchende Betreuung sein“, erläuterte sie. Erziehern könne ermöglicht werden, zu Hause zu bleiben.

Eigentlich eine gute Sache, so Siebernik, aber: „Leider kann das Geld bis heute von den Trägern nicht abgerufen werden, weil die Senatsverwaltung immer noch nicht das nötige Antragsformular bereitgestellt hat.“