SchwerinDie politische Karriere des Philipp Amthor schien nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Im kommenden Jahr hätte der CDU-Politiker eine höhere Stufe erreichen können. Es galt als ausgemacht, dass er gegen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei der Landtagswahl antreten würde. Doch dann kam es anders. Der 28-Jährige geriet wegen seiner Nebentätigkeit und Lobbyarbeit für ein US-amerikanisches Unternehmen deutlich in die Kritik.

Konsequenz: Er verzichtete auf die Kandidatur für den CDU-Landesvorsitz. Damit war auch eine mögliche Spitzenkandidatur vom Tisch und die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hatte ein weiteres großes Problem in einem sorgenvollen Jahr. Vor Amthor hatte bereits Landes- und Fraktionschef Vincent Kokert völlig überraschend den Rückzug von seinen Spitzenämtern bekannt gegeben.

Die CDU hatte gute Gründe, auf Amthor zu setzen. Mit geschliffenen Reden im Deutschen Bundestags machte er direkt in seiner ersten Legislaturperiode auf sich aufmerksam, er inszeniert sich geschickt in Formaten und auf Plattformen, spricht damit gerade jüngere Wähler an. Er saß bei Satiriker Jan Böhmermann. Als der Youtuber Rezo mit dem Video „Die Zerstörung der CDU“ für Aufsehen sorgte, sollte Amthor kontern. Amthor polarisiert, auf andere wirkt er wie ein Streber, der sehr konservative Ansichten vertritt.

„CDU hätte mit Amthor stärkste Kraft werden können“

Die CDU will die SPD im kommenden Jahr nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Staatskanzlei ablösen. Dafür war Amthor in der vordersten Reihe vorgesehen. „Ich denke schon, dass Amthor mit der CDU stärkste Kraft hätte werden können. Aber dann wäre es schwer geworden, einen Koalitionspartner zu finden, weil die SPD sicher nicht Juniorpartner werden will“, sagt Politikwissenschaftler Wolfgang Muno.

Amthor wurde stattdessen zu einer der Hauptfiguren in einem schwierigen Jahr, in dem die Nordost-CDU oft mit sich selbst beschäftigt war. Im November trat auch noch der langjährige Innenminister Lorenz Caffier nach einem umstrittenen Waffenkauf zurück. Die SPD unter Schwesig macht hingegen einen geschlossenen Eindruck.

„Ich mache um das Thema meiner beendeten Nebentätigkeiten keinen Bogen: Es war ein Fehler und ich bedaure, einige Menschen enttäuscht zu haben. Obwohl die Vorwürfe rechtlich ausgeräumt wurden, bleibt es für mich dabei: Nicht alles, was rechtlich möglich ist, ist auch politisch klug“, sagt Amthor der dpa. Im August befand der Bundestag, dass er beim Engagement keine Rechtsverstöße sehe.

„Er hat sich rechtlich zwar nichts zu Schulden kommen lassen, das liegt aus meiner Sicht aber am zu laschen Lobby-Register“, erläutert Muno. Die Sache sei schon sehr merkwürdig gewesen. Wähler würden sich fragen, warum ein Bundestagsabgeordneter so viel Zeit haben kann, um Nebentätigkeiten nachzugehen. Was das Thema Transparenz bei Nebentätigkeiten angehe, hinke Deutschland hinterher.

Amthors Wahlkreis (Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II) ist eher strukturschwach. „Viele haben dort sicherlich ein geringeres Einkommen als Bundestagsabgeordnete mit ihrem Nebenjob verdienen“, erklärt der Wissenschaftler.

Friedrich Merz über Philipp Amthor: „Er hat einfach Mist gemacht“

Selbst der als Parteifreund geltende Friedrich Merz hatte Amthor damals mit deutlichen Worten kritisiert. „Er hat einfach Mist gemacht“, sagte Merz Focus Online.

Umso dankbarer ist Amthor nach eigenen Worten für den großen Rückhalt, den er aus seiner Heimat erhalte. Er erfahre dort immer wieder, dass sein Wirken als Abgeordneter sehr geschätzt werde.

Nun muss es Michael Sack für die CDU richten. Der Landrat von Vorpommern-Greifswald ist neuer Landeschef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Doch er ist landesweit wenig wahrzunehmen und gilt außerhalb seines Landkreises als unbekannt. Amthor und Sack kennen sich seit vielen Jahren, jetzt muss der Unbekanntere als Notlösung an vorderster Linie für ein gutes Wahlergebnis kämpfen.

Welche Rolle Amthor im Landtagswahlkampf einnehmen wird, scheint noch unklar. Er tritt schließlich in seinem Wahlkreis wieder als Direktkandidat zur Bundestagswahl an. Dort ist der Rückhalt weiterhin groß. Von 44 abgegebenen Stimmen waren 43 für Amthor gewesen.

„Die AfD ist und bleibt der politische Hauptgegner in meinem Wahlkreis. Dabei stelle ich mich entschlossen meiner Verantwortung, das Feld nicht den Vereinfachern von rechts und links zu überlassen“, betont Amthor.

Sack schätzt seinen Parteikollegen sehr. Er bezeichnete Amthor trotz seines jungen Alters als einen Politiker mit vielfältigen Erfahrungen und Fähigkeiten. „Damit kann er unseren Wahlkampf in mehrfacher Hinsicht bereichern – sowohl inhaltlich als auch im Bereich der Außendarstellung.“ Amthor sei der gefragteste Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern in den sozialen Medien. Sack schätze die Wortgewandtheit und inhaltliche Arbeit von ihm. „Das, was er anfasst, hat Hand und Fuß.“

Doch welche Rolle kann Amthor in seinem Heimatbundesland in Zukunft einnehmen? Mit 28 Jahren hat er noch viele Jahre, eher Jahrzehnte, vor sich in der Politik. Politikwissenschaftler Muno prophezeit, dass es auf Landesebene noch einmal eine Chance für ihn geben könnte, je nachdem wie die Landtagswahl im kommenden Jahr ausgehe. „Womöglich wäre er ein Kandidat für die Landtagswahl danach.“ Amthor müsse sich jedoch zunächst auf seine Wiederwahl in seinem eigenen Wahlkreis konzentrieren.