Giftgas und Sonderisolierstation: Kritik an Katastrophenschutzübung der Charité

400 Mitarbeiter der Charité waren an der Übung beteiligt. Zugleich räumt Charité-Chef Heyo Kroemer einen „deutlichen Mangel an Personal“ ein.

Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité
Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charitédpa

Die groß angelegte Katastrophenschutzübung „Apollon“ der Charité Berlin sorgt für Diskussionen. Hunderte Mitarbeiter hatten einen Giftgasanschlag in einem Berliner Kino simuliert. Beteiligt an der Übung waren auch das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, die Feuerwehr Berlin, das Robert-Koch-Institut (RKI), der Berliner Senat und der öffentliche Gesundheitsdienst. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, zeigte sich in einem internen Schreiben an die Führungskräfte der Charité hochzufrieden. Er schreibt, dass „mehrere Ubungspatient:innen versorgt“ und „die Sonderisolierstation aktiviert“ worden seien.

Kroemer: „Geübt wurde mit 50 Verletztendarstellern sowie über 400 involvierten Mitarbeiter:innen. Die Hauptaktivitäten fanden am Dienstagabend in Anwesenheit von Bundesgesundheitsminister Lauterbach und mehreren internationalen Beobachter:innen statt, die das Geschehen ausgesprochen beeindruckt kommentierten.“

In dem internen Schreiben räumt Kroemer zudem einen „deutlichen Mangel an Personal“ an der Charité ein. Der Vorstandsvorsitzende weiter: „Um der Situation Rechnung zu tragen, habe wir eine Reihe von Maßnahmen begonnen, wie etwa eine Umorganisation in einigen Stationen.“ Geplant sei, diese Maßnahmen „wieder zurückführen zu können, wenn sich die Situation normalisiert“.

Für den Gewerkschaftsvorsitzenden Marcel Luthe ist das ein Unding. Luthe sagte der Berliner Zeitung: „Völlig abgehoben vom Klinikalltag und dem Wohl von Personal und Patienten“ räume die Hausleitung zwar ein, dass ein gewaltiger Personalmangel bestehe. „Aber gleichzeitig verpulvert man tausende Arbeitsstunden mit einer PR-Aktion für Herrn Lauterbach, die nichts mit der Realität zu tun haben würde“, so Luthe weiter. Der frühere Abgeordnete sieht zudem Probleme in Zusammenhang mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Luthe: „Das Personal, das jetzt wegen des Infektionsschutzgesetzes kündigt, wird auch in so einem Szenario fehlen.“