Eddie van Halen war ein herausragender Gitarrist. Er prägte jahrzehntelang die Hardrock- und Heavy-Metal-Musik.
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New YorkSchon bei der Ankunft des sechsjährigen Edward Lodewijk Van Halen in den USA spielte Musik die tragende Rolle. Die Schiffsreise der Familie über den Atlantik im Jahre 1952 wurde nicht mit Geld bezahlt, der Vater trat täglich als Klarinettist der Schiffskapelle an Bord auf. Van Halen senior hatte beschlossen, sein Glück und das seiner Familie in den Vereinigten Staaten zu suchen, da seine Existenz als Profimusiker in Amsterdam und Nimwegen kaum Geld einbrachte und seine Frau, eine Indonesierin, als Bürgerin zweiter Klasse behandelt wurde.

So erreichte die Familie Pasadena, Kalifornien. Papa Van Halen begann, sich als Musiker zu verdingen. Seine beiden Söhne Edward und Alex wurden indes zu frühen Gewinnern von Klavierwettbewerben – obwohl Edward nie gelernt hatte, Noten zu lesen. Wie Millionen amerikanische Jugendliche entdeckten die Brüder im Zuge der sogenannten britischen Invasion dank der Beatles, der Rolling Stones und vor allem Eric Claptons Super-Group Cream die Rock’n’Roll- und Rhythm-and-Blues- Traditionen ihrer neuen Heimat in neuem Pop-Gewand und wandten sich schließlich Schlagzeug und Gitarre zu.

Im Jahre 1972 gründeten sie dann die Formation Mammoth, zu deutsch „Mammut”, ein Name, der Karriere, Einfluss und Wirken des gemeinsamen Unterfangens treffend beschrieb. Der Weg zu Ruhm und Größe begann aber erst mit der Abschaffung jenes Namens, nachdem sie 1974 ihren zweiten Sänger, einen schillernden Typen namens David Lee Roth, zunächst bei Vorspielen abgelehnt hatten und dann eher widerwillig doch noch aufnahmen, da er eine Gesangsanlage besaß. Roth schlug vor, den Familiennamen der Brüder zu übernehmen, der ihm, dem Nicht-Niederländer, damals exotisch und irgendwie grandios erschien.

Zusammen mit Bassist Michael Anthony erspielte sich das Quartett in und um Los Angeles einen gewissen Namen; nicht zuletzt, da Eddie durch obsessives Ausprobieren, Basteln und das Kassieren von Stromschlägen über seine E-Gitarre einen eigenen Stil erarbeitete und diesen den damals für alle Bands obligatorischen Coverversionen der Top-Forty-Hits aufdrückte.

Van Halen wurden von Kiss-Mann Gene Simmons gefördert

Seine herausragende Bedeutung aber bezog Eddie Van Halen aus der besonderen Art und Weise, seine Gitarre zu traktieren. Der Stil des „Tappings“, bei dem die rechte Hand genau wie die linke die Gitarrenbünde antippt und so immens schnelles Gegniedel hervorbringt, wurde im Verlauf der 80er-Jahre von beinahe jedem  nachgeahmt, der etwas auf sich hielt und einen Hauch von Virtuosität zur Schau stellen wollte.

Van Halen wurden unterdessen von Gene Simmons, dem Frontmann von Kiss, gefördert und 1977 vom Plattenlabel Warner unter Vertrag genommen. Das Debüt der Band enthielt bereits mehrere Van-Halen-Klassiker – allesamt aus Eddies Feder – wie „Running with the Devil” und „Ain’t talking ’bout Love“. Vor allem aber war da „Eruption“ zu hören, ein Gitarrensolo, das Eddie Van Halens Stil ein für alle Mal als Metal-Standard etablierte.

Über mehrere Alben trieb er so den immensen Erfolg der Band und mit ihm die Rückkehr des Arena-Rock an. David Lee Roths exaltierte Bühnenpräsenz tat ihr Übriges. Den größten Moment erlebte die Band mit „Jump” im Jahre 1984, dessen Herzstück eines der ikonischsten Keyboard-Riffs der Rockgeschichte ist – so zahlten sich all die Klavierwettbewerbe schließlich doch noch aus.

Kurz darauf krachte Roths Ego allzu stark gegen das Regiment der Brüder und er wurde durch Sammy Hagar ersetzt, mit dem 1986 dann der Hit „Why can’t this be love?” entstand. Dazwischen spielte Eddie Van Halen das ikonische Gitarrensolo auf Michael Jacksons Song „Beat It” ein – und entwickelte das für Arenen-Götter jener Zeit obligatorische Alkohol- und Drogenproblem.

Letzteres wurde er bis in die 2000er-Jahre nie vollständig los – und, so schien es, seinen liebsten Feind David Lee Roth auch nicht. Der nämlich kam und ging mehrfach wieder, zunächst als Publicity-Stunt zur Bewerbung eines Best-Of-Albums, während hinter seinem Rücken andere Sänger getestet wurden, und dann ab 2006 wieder dauerhafter.

Eddie Van Halen wechselte von Drittsänger und Ex-Extreme-Mann Gary Cherone bis zum Einsatz seines Sohnes aus erster Ehe, Wolfgang, als Bassisten, stetig das Van-Halen-Personal aus, doch solange seine Signaturgitarre erklang, war es eindeutig Van Halen – selbst bei der auf YouTube als „Greensboro Disaster” zu findenden Liveaufnahme von „Jump“, bei der das Keyboard-Riff aus dem Playback aus technischen Gründen in der falschen Tonhöhe erklingt und so modernistischen Mikrotonal-Stadionrock erzeugt. Von seinen Fans und Gitarrenenthusiasten wurde Eddie Van Halen da längst hymnisch verehrt.

Am Dienstag ist er, der sich als Immigrantenkind aus ärmlichen Verhältnissen heraus seinen amerikanischen Traum im buchstäblichen Sinn „ertappte“, im kalifornischen Santa Monica im Alter von 65 Jahren an einem Krebsleiden gestorben.