Erfurt - Das Bundesarbeitsgericht hat die Rechte von Frauen beim Thema gleiche Bezahlung gestärkt. Der Entscheidung zufolge reicht bei einer nachgewiesenen Differenz zum sogenannten Vergleichsentgelt von Männern mit vergleichbarer Arbeit die Vermutung, dass die finanzielle Benachteiligung wegen des Geschlechts erfolgte (8 AZR 488/19). Allerdings könne diese Vermutung vom Arbeitgeber jederzeit widerlegt werden, heißt es in einer Entscheidung des Achten Senats.

Geklagt hat eine Abteilungsleiterin aus Niedersachsen. In ihrem Fall lag das Vergleichsentgelt ihrer männlichen Kollegen sowohl beim Grundentgelt als auch bei der Zulage höher als ihr Entgelt. Die Vorinstanzen hatten unterschiedlich entschieden. Das Vergleichsentgelt (Median-Entgelt) muss nach den Regeln des Entgelttransparenzgesetzes ermittelt werden. Es räumt Arbeitnehmern einen entsprechenden Auskunftsanspruch ein.

Nach Meinung des kommissarischen Leiters der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, erleichtert das Urteil juristische Verfahren bei Entgeltdiskriminierung. Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts kehre sich die Beweislast um. Arbeitgeber müssten in Zukunft nachweisen, nicht zu diskriminieren, so Franke. Betroffene hätten es in der Vergangenheit schwer gehabt, gegen eine schlechtere Bezahlung wegen ihres Geschlechts vorzugehen.