Berlin - Der Berliner Lieferdienst Gorillas will offenbar die Gründung eines Betriebsrats im Unternehmen gerichtlich verhindern. Darüber berichtete unter anderem der Tagesspiegel am Dienstag. Die Gorillas-Geschäftsführung versuche wohl, beim Berliner Amtsgericht den sofortigen Stopp der für Ende November angesetzten Betriebsratswahl zu erwirken, hieß es.

Der Anwalt des Lieferdienstes berufe sich auf angebliche Formfehler. Es sei nicht klar, in welchem Unternehmen ein Betriebsrat gegründet werden solle. Gorillas hatte jüngst eine Tochterfirma gegründet und an zahlreiche Angestellte im operativen Geschäft Überleitungsverträge versandt. Mit dieser Auslagerung, von der 1700 bis 2000 Beschäftigte betroffen sind, zielt das Unternehmen mutmaßlich darauf, der Betriebsratswahl zuvorzukommen.

Die ersten Schritte zur Betriebsratswahl sind allerdings bereits im Juni 2021 eingeleitet worden – und damals gab es nur eine Firma, ohne Tochterunternehmen. Bis heute habe sich im operativen Geschäft laut Tagesspiegel-Bericht nichts geändert.

Kündigungen wegen „wilden Streiks“

Schon seit Wochen häufen sich die Schlagzeilen um das Berliner Start-up. Etwa hat Gorillas eine Kündigungswelle veranlasst, weil Beschäftigte sich an „wilden Streiks“ beteiligt hätten. Diese „wilden Streiks“ haben aus Sicht der Arbeitnehmer eine Berechtigung: Immer wieder wurden Stimmen laut, die schlechte Arbeitsbedingungen im Unternehmen kritisierten.

Zudem werfen Teilnehmer des Gorillas Workers Collective, das die meisten Streiks organisiert hat, der Geschäftsführung vor, die Betriebsrat-Gründung seit Monaten zu torpedieren. Gorillas-Gründer und CEO Kağan Sümer positioniert sich dazu wie folgt: Sümer sagte einerseits, dass ein jeder Arbeitgeber, der an einem Streik teilnehme, mit einer Kündigung zu rechnen habe. Andererseits teilte sein Unternehmen öffentlich mit, dass es die „Bildung eines Betriebsrats uneingeschränkt unterstützen“ würde.