Berlin - Die ersten Berlinerinnen und Berliner haben sich am Montag in neuen Testzentren kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Stadtweit stehen dafür 16 Zentren bereit. „Es wird gut angenommen“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) nach Angaben eines Sprechers. „Natürlich kann es hier und da immer kleinere Anfangsschwierigkeiten geben, aber wir haben heute Vormittag schon mehr als 10.000 Einbuchungen bis Ende der Woche.“ Bei den ersten Tests habe es auch schon positive Befunde gegeben. „Das zeigt, dass Testen wirkt. Wir unterbrechen damit Infektionsketten.“

In vier Zentren ist testen ohne Termin möglich

Laut Buchungsplattform sind die Testzentren in der Charlottenburger Zillestraße und der Kreuzberger Prinzenstraße bereits für diese Woche ausgebucht. Auch anderswo waren Termine begehrt. So waren in Neukölln, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf bis Mittwochmittag alle Testgelegenheiten belegt, in Pankow und Steglitz-Zehlendorf bis Donnerstagvormittag. Mehr freie Kapazitäten gab es in Wedding.

Interessenten werden bei der Buchung noch nach dem Grund für den Test gefragt; diese Abfrage soll dem Vernehmen nach aber entfallen. In vier Testzentren kann man sich werktags auch ohne Termin testen lassen: In der Franzensbader Straße in Wilmersdorf, in der Lehrter Straße in Moabit, in der Blücherstraße in Kreuzberg und in der Fischerstraße in Rummelsburg.

Sicher wird sich der Andrang an den Testzentren in den kommenden Tagen und Wochen noch erhöhen, wenn sich das Angebot erst herumgesprochen hat. Doch parallel arbeitet der Senat an einer Entlastung. Seit Montag können sich Arztpraxen, Apotheken „und alle weiteren Drittanbieter“ als „Teststelle to-go“ registrieren und zertifizieren lassen.

Private Teststellen wollen mitmachen

Von diesem Angebot könnten sich Betreiber der mehreren Dutzend privaten Teststellen in der Stadt angesprochen fühlen. Christoph Pankowski, dessen Firma KDP BioMed in Berlin vier Zentren betreibt, kündigte am Montag im Gespräch mit der Berliner Zeitung an, sich zu bewerben. „Es ist toll, dass endlich etwas passiert“, sagt Pankowski. Sein Unternehmen wäre in der Lage, bis zu 6000 Menschen täglich zu testen.

Bis die Privaten in das Test-Regime integriert werden, sind aber vor allem noch finanzielle Fragen zu klären. Derzeit kassieren sie von ihren Kunden je nach Test-Art zwischen 35 und mehr als 100 Euro. Das Land Berlin bekommt vom Bund 12 Euro pro Test. Wer kommt für die Differenz auf? Das Land kann es kaum sein.

Grünen-Politikerin vermisst nationale Teststrategie

Für Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel, eine der aktivsten Test-Befürworterinnen in Berlin, sind die Berliner Anstrengungen eine direkte Folge einer aus ihrer Sicht noch immer fehlenden nationale Teststrategie des Bundes. Ihrer Meinung nach könnten alle Testzentren - ob öffentlich oder privat - ohnehin nur eine Lücke füllen.

Viel wichtiger als Zentren einzurichten, in die die Menschen erst fahren müssten, wäre es, alltägliche Bereiche zu aktivieren, an denen die Menschen ohnehin sind. So wie an Schulen bereits regelmäßig getestet werde, sollten auch Unternehmen mit ihren Betriebsärzten eingebunden werden, so Gebel. „Wenn dann noch günstige Selbsttests zuhause zur morgendlichen Routine würden, ist ein wichtiger Baustein des strategischen Testens gegeben“, so Gebel.

Sechstes Impfzentrum eröffnet am Ex-Flughafen Tempelhof

Der Start der Testzentren hat die Fortschritte der Impfkampagne an diesem durch den Feiertag verlängerten Wochenende etwas überlagert. So öffnete am Montag in Hangar 4 des ehemaligen Flughafen Tempelhof Berlins sechstes und letztes Corona-Impfzentrum. Dort soll zunächst nur nachmittags der Astrazeneca-Impfstoff gegeben werden. Für die Startphase sind 200 Impfungen pro Tag vorgesehen, sagte die Sprecherin der Impfzentren, Regina Kneiding. 3300 Impfungen wären möglich. Im zweiten Berliner Astrazeneca-Zentrum am früheren Flughafen Tegel, wo bis zu 3800 Impfungen täglich möglich sind, wurden die Kapazitäten bislang bei weitem nicht ausgeschöpft.

Möglicherweise wird sich das schon bald ändern. Bisher wurde der britisch-schwedische Impfstoff vor allem medizinischem Personal und Pflegepersonal gespritzt. Er ist aber auch für Polizisten sowie Erzieher vorgesehen. Seit Sonntag ist der Impfstoff aber auch für über 65-Jährige zugelassen.

Das bedeutet, dass nun auch viele über 70-Jährige Berliner, die in diesen Tagen nach Geburtsjahrgängen gestaffelt Impfeinladungen bekommen, einen Astrazeneca-Termin buchen können. Das Gleiche gilt für 65- bis 70-Jährige mit bestimmten chronischen Erkrankungen, die in dieser Woche ihre Einladung über die Kassenärztliche Vereinigung erhalten sollen. Wie die Gesundheitsverwaltung mitteilt, müssen sich Privatversicherte mit den gleichen Diagnosen zunächst ein Attest ihre behandelnden Arztes verschaffen, um sich dann in der Impfhotline zu melden. Die Abfrage des Geburtsdatums im Buchungsprozess für die Impftermine bleibe trotz der Änderungen bestehen, hieß es.