Greta Thunberg: Längere AKW-Laufzeiten sinnvoll

Die Klimaaktivistin hält es für einen Fehler, auf Kohle zu setzen. Trotz Energiekrise warnt sie davor, weiter in fossile Energien zu investieren.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg
Die Klimaaktivistin Greta ThunbergAFP/Jonathan Nackstrand

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat sich zu einer möglichen verlängerten Laufzeit der Atomkraftwerke geäußert. In einem Interview für die TV-Sendung „Maischberger“ sagte Thunberg: „Wenn sie schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden.“ Das volle Interview wird am Mittwoch um 22.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt. 

Es sei „eine schlechte Idee“, auf Kohle zu setzen, solange „das andere“ noch existiere, erklärte Thunberg weiter. Die Aktivistin bezog sich dabei auf die Krisenstrategie der Bundesregierung, Kohlekraftwerke aus der Reserve zu holen, um die Stromerzeugung aus Gas zu reduzieren. 

Es gebe auch sonst Alternativen zum Wiedereinsatz von Kohlekraft. „Ich glaube, dass es andere Wege nach vorne gibt. Mit erneuerbaren Energien.“ Sie warnte davor, weiterhin in fossile Energie zu investieren – auch wenn sie die Notwendigkeit verstehe, die Bürger vor zu hohen Energiekosten zu schützen, sagte Thunberg. Die Menschen hätten sich aber auch „selbst abhängig gemacht und eine Gesellschaft geschaffen, in der wir nicht in der Lage sind, mehr als ein Jahr in die Zukunft zu schauen. Das ist nicht nachhaltig!“, sagte die 19-jährige Aktivistin.

AKW-Verlängerung wird heftig diskutiert

Thunberg kritisierte, dass die Klimakrise immer noch nicht wie eine globale Notlage behandelt werde. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass das möglich sei. Auch in Kriegszeiten dürften die Folgen der Klimakrise aus ihrer Sicht nicht aus dem Blick geraten. „Jeder Krieg ist ein Desaster. Auf ganz vielen Ebenen. Aber wir müssen in der Lage sein, uns mit verschiedenen Dingen zur selben Zeit zu beschäftigen.“

Die Verlängerung der AKW-Laufzeit wird in Deutschland derzeit heftig diskutiert. Am Montag sollte ein Gesetzentwurf zur Einsatzreserve zweier Atomkraftwerke durch das Kabinett gebracht werden. „Aufgrund politischer Unstimmigkeiten wurde aber von dieser Verständigung abgerückt“, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. 

Die FDP macht derweil Druck für einen längeren Weiterbetrieb der Atomkraftwerke, als es der Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) plant. Die Atomkraftwerke Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg sollen eine zeitlich befristete „Einsatzreserve“ sein. Allerdings besteht bei Ersterem dringender Reparaturbedarf.