Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis hat davor gewarnt, dass die zahlreichen illegalen Überflüge türkischer Kampfjets über bewohnte griechische Inseln die Südostflanke der Nato schwächen könnten. „Das Letzte, was wir jetzt in der Nato brauchen, ist eine weitere Quelle politischer Instabilität“, sagte er am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, bei dem die Solidarität der Nato-Staaten gefragt sei.

Griechenland und die Türkei gehören beide der westlichen Militärallianz an, haben aber bilateral etliche politische Streitthemen. Es betrifft diverse Ölvorkommen im östlichen Mittelmeer, die sich weitgehend im griechischen Staatsgebiet befinden, religiös-kulturelle Spannungen ausgetragen durch türkische bzw. griechische Minderheiten, aber auch die kriegerische Geschichte in der Zeit des Osmanischen Reiches bildet eine Grundlage für heutige Konflikte.

Mitsotakis: „Werden Kommunikationskanäle offen halten“

Nicht nur mit Griechenland unterhält Erdogan angespannte Beziehungen. Vor Kurzem blockte die Türkei Beitrittsgespräche mit Finnland und Schweden in Bezug auf mögliche Nato-Mitgliedschaften ab. Hintergrund war der Vorwurf, die nordischen Staaten würden die PKK, welche die Türkei als Terrororganisation eingestuft hatte, unterstützen. Aus beiden nordeuropäischen Staaten kam öfters Kritik an Erdogans Politik gegenüber der kurdischen Minderheit.

Mitsotakis sagte, den Gesprächsfaden mit dem Nachbarn wolle er nicht abreißen lassen, obwohl der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Kontakt zuletzt offiziell abgebrochen hatte. „Ich werde das Thema (der Überflüge) so lange ansprechen, bis die Türkei ihre Haltung ändert“, sagte er. Athen sei auch insgesamt weiterhin zu Gesprächen mit der Türkei bereit. „Wir sind Nachbarn, und werden die Kommunikationskanäle offen halten.“

Erdogan hatte Anfang der Woche gesagt, Mitsotakis existiere für ihn nicht mehr. Dieser hatte zuvor bei einem Besuch in Washington dem US-Kongress geraten, keine Rüstungsgüter in den östlichen Mittelmeerraum zu verkaufen. Gemeint war damit die Türkei, die einen Kauf von US-Kampfjets des Typs F-16 anstrebt.