Bewaffnete Polizeibeamte in einem Wohnblock in Reading nach einem Vorfall in Forbury Gardens im Stadtzentrum.
Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa

LondonNach dem tödlichen Messerangriff in Reading nahe London geht die britische Polizei von einem Terror-Hintergrund aus. Nach ersten Ermittlungen handele es sich um einen „terroristischen Vorfall“, erklärte die Polizei in der südenglischen Stadt am Sonntag. Nähere Angaben machte sie zunächst nicht. Ein Mann hatte am Samstagabend in einem Park drei Menschen erstochen, bevor er festgenommen wurde. Drei weitere Menschen wurden schwer verletzt, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge soll es sich bei dem festgenommenen 25-Jährigen um einen Libyer handeln. Dazu machte die Polizei am Sonntag keine Angaben. Sie erklärte lediglich, bei dem Verdächtigen handele es sich um einen Einwohner der Stadt. In einem Video war zu sehen, wie Antiterroreinheiten am Wohnsitz des mutmaßlichen Attentäters in Reading eine kontrollierte Sprengung vornahmen.

Premierminister Boris Johnson verurteilte die Tat noch in der Nacht und sprach den Betroffenen sein Beileid aus: „Meine Gedanken sind bei allen, die von dem schrecklichen Vorfall in Reading betroffen sind, und mein Dank gilt den Rettungsdiensten vor Ort“, schrieb er im Onlinedienst Twitter. Am Sonntagmorgen tagte in London das Sicherheitskabinett.

Augenzeugen berichteten der PA, ein einzelner Mann sei gegen 19 Uhr Ortszeit (20 Uhr MESZ) durch den belebten Park gelaufen, wo zahlreiche Menschen sich auf dem Rasen entspannten. Er habe etwas Unverständliches gerufen und dann wahllos auf seine Opfer eingestochen. Innenministerin Priti Patel nannte den Vorfall „einen sinnlosen Angriff auf Menschen, die einen Samstagabend mit Freunden genießen“.

Der Vorfall in der 220.000-Einwohner-Stadt westlich von London ereignete sich kurz nach einer Kundgebung der „Black Lives Matter“-Bewegung in dem Park. Die Polizei gab jedoch an, sie sehe keinen Zusammenhang zwischen der Anti-Rassismus-Demonstration und dem Angriff. Die Organisatorin des Protests, Nieema Hassan, schrieb bei Facebook, niemand von den Demonstranten sei getroffen worden. „Wir waren alle schon weg, als das passierte.“

Großbritannien war in den vergangenen Jahren mehrfach von islamistischen Anschlägen erschüttert worden. Anfang Februar verletzte ein polizeibekannter Islamist drei Passanten in London mit einer Stichwaffe, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Ende November erstach ein vorzeitig aus der Haft entlassener Islamist auf der London Bridge zwei Menschen und verletzte mehrere weitere, bevor er von Polizisten erschossen wurde. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte beide Angriffe für sich.

Johnson hatte nach seinem Wahlsieg im Dezember versprochen, die Strafen für terroristische Angriffe zu erhöhen. Aufgrund der strengen Waffengesetze in Großbritannien werden die meisten Angriffe mit Stichwaffen verübt.