London - Die britische Regierung beobachtet eine neue Unterart der hoch ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus. Wie ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson am Dienstag sagte, beobachte die Regierung die AY.4.2-Variante „sehr genau“. Noch sei unklar, ob sich die neue Unterart schneller verbreitet. Die Regierung werde aber „nicht zögern, Maßnahmen zu ergreifen, wenn es nötig ist“. Die Untervariante trat bislang außerhalb Großbritanniens nur vereinzelt in den USA und Dänemark auf.

Unterdessen haben die Infektionszahlen in Großbritannien stark zugenommen. Am Montag wurden fast 50.000 neue Fälle registriert – ein Höchstwert in Europa. Als Gründe für den Anstieg führen Wissenschaftler die niedrige Impfquote bei Jugendlichen sowie den nachlassenden Impfschutz bei Älteren an. Die Forscher schlugen deshalb vor, einige Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen in geschlossenen Räumen wieder einzuführen. Die Regierung hatte diese im Juli aufgehoben.

Neue Untervariante nicht schuld an verschlechterter Corona-Lage

Der Direktor des Instituts für Genetik am University College London, François Balloux, geht davon aus, dass die neue Untervariante des Virus „nicht die Ursache für den jüngsten Anstieg der Zahl der Fälle“ sei. Dafür hält er die derzeitige Verbreitung der AY.4.2-Variante für zu gering. Die Situation sei auch nicht dem „Auftauchen der Alpha- und Delta-Stämme vergleichbar, die viel übertragbarer waren (50 Prozent oder mehr) als alle anderen Stämme, die damals im Umlauf waren“.