Die Berliner Grünen-Politikerin Clara Herrmann rechnet neben Zustimmung auch mit Protesten gegen eine Verkehrswende. Die neue Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg setzt unter anderem auf mehr Verkehrsberuhigung, weniger Durchgangsverkehr, den Ausbau von Radwegen, weniger Parkplätze und mehr Straßenbäume. „Ich erlebe es so, dass die Mehrheit der Anwohnerinnen und Anwohner die Verkehrswende möchte“, sagte Herrmann (36) der Deutschen Presse-Agentur. Anfängliche Skepsis verliere sich oft mit der Zeit.

„Das sehen wir, wenn wir in andere Städte gucken, Amsterdam, Kopenhagen, Paris, die da schon etwas weiter sind, dass es am Anfang zum Beispiel von Gewerbetreibenden oft große Bedenken gab und auch Proteste“, sagte Herrmann, die Anfang Dezember zur neuen Bezirksbürgermeisterin gewählt wurde.

Mittlerweile seien die Gewerbetreibenden häufig diejenigen, die solche Maßnahmen mit forcierten. „Von daher glaube ich, es wird beides sein: Man wird die Leute haben, die bei Veränderungen ihre Bedenken haben und auch die, die das in den Kiezen einfordern“, so die Grünen-Politikerin. „Und es wird auch Leute geben, die von Bedenkenträgern zu Befürwortern werden.“

Ein großes Thema in ihrem Bezirk, in dem die Grünen bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung Ende September 34,6 Prozent bekamen, sei mehr Flächengerechtigkeit, sagte Herrmann. „Bei uns im Bezirk hat die Mehrheit der Haushalte kein eigenes Auto.“ Die große Mehrzahl der Wege werde zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV zurückgelegt, bei der zur Verfügung gestellten Fläche sei es aber genau andersrum. Das Ziel sei, das umzukehren und Fußgängern und Radfahrern mehr Raum zu geben.

„Wir haben in vielen Kiezen Initiativen, die nennen sich Kiezblocks, die sich dafür einsetzen, dass es mehr Verkehrsberuhigung gibt“, sagte die Grünen-Politikerin. „Und die wollen auch, dass es weniger Platz für Autos gibt und stattdessen mehr Grün entsteht, dass die Kieze menschenfreundlicher gestaltet werden und das Blech von der Straße verschwindet.“

Nötig sei mit Blick auf den Klimawandel auch ein Umbau der Stadtinfrastruktur mit der Entsiegelung von Straßen- und Parkraum, dem Pflanzen von Bäumen und einem ordentlichen Regenwassermanagement. „Da müssen wir vorankommen. Und wir haben auch nicht mehr viel Zeit, den Klimawandel in den Griff zu kriegen“, sagte Herrmann. „Wir spüren die Auswirkungen in den heißen Sommern schon heute, und das wird tendenziell noch schlimmer.“