Hans-Christian Ströbele ist gestorben

Der Politiker Hans-Christian Ströbele ist tot. Die Grünen trauern um ein Urgestein. 

Hans-Christian Ströbele.
Hans-Christian Ströbele.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele ist tot. Er starb am Montag im Alter von 83 Jahren, wie sein Rechtsanwalt Johannes Eisenberg am Mittwoch mitteilte. Nach Informationen der Berliner Zeitung litt er seit mehreren Jahren an Krebs. Der Politiker hatte ab 1998 fünf Legislaturperioden lang durchgehend für die Berliner Grünen im Bundestag gesessen, bevor er 2017 nicht erneut antrat. 

Die Grünen trauern um ein Urgestein. Bundesfamilienministerin Lisa Paus sagte dieser Zeitung: „Wir empfinden tiefe Trauer. Hans-Christian Ströbele war ein großartiger, bescheidener und kluger Mensch.“ Er sei ihr ein großes Vorbild, so Paus.

Ströbele: RAF-Anwalt, Direktmandat im Bundestag

Die Berliner Fraktionsvorsitzende der Grünen Silke Gebel wurde von Ströbeles Tod überrascht. „Er wird fehlen, weil er die Partei programmatisch vorangetrieben hat. Die Berliner Grünen trauern“, so die Fraktionschefin. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir schrieb auf Twitter: „Er war ein streitbarer, oft kontroverser Streiter für seine Überzeugungen. Für mich war er auch im Konflikt stets fair. Es geht ein großer Kämpfer für die grüne Sache. Er fehlt.“

Kontrahent Wolfgang Bosbach: Nie einer Meinung, aber ich hatte Respeckt

Auch die härtesten politischen Kontrahenten aus Bundestag-Zeiten zollen dem Grünen-Politiker nun Hochachtung. Wolfgang Bosbach, lange für die CDU im Bundestag, sagt der Berliner Zeitung: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je einer Meinung waren. Trotz aller politischer Kontroversen mit ihm hatte ich vor der politischen Leistung immer Respekt.“ Ströbele sei seiner politischen Überzeugung immer treu geblieben, sei damit angeeckt und habe das ausgehalten, auch in der eigenen Partei, so Wolfgang Bosbach. „Er hat sich nach 21 Jahren Bundestag auf einen neuen Lebensabschnitt gefreut. Das dieser so früh endet, ist traurig.“

Der frühere RAF-Anwalt Ströbele, dessen Markenzeichen ein roter Schal, leuchtend weiße Haare und sein Fahrrad waren, war 2002 als erster Grüner per Direktmandat im Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg in den Bundestag gewählt worden und ging damit in die Parteigeschichte ein. Ströbele hatte die Grünen mitgegründet und saß 21 Jahre lang im Bundestag.

Ströbele: Mit dem Fahrrad und rotem Schal durch Berlin-Kreuzberg

Erst mit 78 Jahren war er aus der aktiven Politik ausgestiegen, betrieb seine Anwaltskanzlei in Berlin aber zunächst weiter. Vor seiner Zeit bei den Grünen war er aktiv in der damaligen Außerparlamentarischen Opposition (APO).  

Gemeinsam mit dem späteren Bundesinnenminister Otto Schily und dem späteren Rechtsextremisten Horst Mahler verteidigte er als Anwalt erst Aktivisten der Studentenbewegung, dann auch Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF).

Ströbele scheute nie die Auseinandersetzung, auch nicht in der Partei

Der Sohn eines Chemikers aus Halle an der Saale war eine Symbolfigur vor allem des linken Flügels der Grünen und scheute Auseinandersetzungen auch mit den eigenen Parteifreunden nie – etwa mit dem früheren Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer. So war Ströbele gegen die deutsche Beteiligung am Kosovo-Krieg, den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und die Hartz-IV-Reformen. Im Parlament stimmte er immer wieder gegen die Linie seiner Fraktion.

In den letzten Jahren im Bundestag hatte Ströbele sich unter anderem intensiv dem Thema Geheimdienste gewidmet und mit einem Besuch bei US-Whistleblower Edward Snowden in Moskau Schlagzeilen gemacht.

Rechtsanwalt Eisenberg schrieb in seiner Mitteilung: „Er hat selbst entschieden, dass er den langen Leidensweg, den ihm seine Erkrankungen zugemutet hat, nicht mehr fortsetzen wollte und lebenserhaltende Maßnahmen reduziert. Er war bis zuletzt bei vollem Bewusstsein. Nicht der Geist, der Körper wurde ihm zur Qual und hat ihn am 29. August 2022 verlassen.“ (mit dpa)