Grünheide: Blick über die Baustelle mit den entstehenden Rohbauten für die künftige Tesla-Gigafactory.
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Grünheide/PotsdamSeit Ende des vergangenen Jahres ist klar: Tesla will in Grünheide E-Autos produzieren. Bislang hatte sich kein Vertreter des US-Unternehmens den Fragen der Abgeordneten gestellt. Das änderte sich nun. Erstmals hat ein Tesla-Vertreter den Abgeordneten im Brandenburger Landtag Pläne des US-Elektroautobauers zum Infrastrukturausbau für die geplante Fabrik in Grünheide bei Berlin vorgestellt. „Wir bauen gerade die fortschrittlichste Serienproduktionsstätte der Welt in Brandenburg“, sagte Alexander Riederer, Vertreter des Teams „Gigafactory“, am Donnerstag vor den Abgeordneten. Die Infrastrukturentwicklung habe für Tesla deshalb höchste Priorität.

Das US-Unternehmen sei in intensiven Abstimmungen mit dem Infrastrukturministerium, Behörden und Planungsbüros. „Jetzt liegt es an uns allen, die richtigen Lösungen zu finden, die Mehrwert für die gesamte Region schaffen“, sagte er an die Abgeordneten gerichtet. Tesla habe sich immer klar positioniert, Teil der Lösung sein zu wollen.

Tesla will in Grünheide von Sommer 2021 an rund 500.000 Fahrzeuge im Jahr bauen, geplant sind etwa 12.000 Arbeitsplätze. Weil die umweltrechtliche Genehmigung für das Projekt durch das Land Brandenburg bisher noch nicht abgeschlossen ist, baut Tesla auf dem Gelände nahe Berlin auf eigenes Risiko. Das Landesumweltamt gab grünes Licht für das Fundament und den Rohbau mit einem vorzeitigen Beginn. Naturschützer fürchten negative Folgen für die Umwelt.

Tesla will Autobahnausfahrt im Norden

Zum Verkehrskonzept gehört dem Tesla-Vertreter zufolge eine Ausrichtung der Logistik auf die Schiene, um unter anderem auch die Folgen des Durchgangsverkehrs für die Gemeinden zu minimieren. Außerdem plant das Unternehmen lokale Zulieferketten für die Produktion der Fahrzeuge. Tesla wolle Fahrzeuge entwerfen, entwickeln und für den Weltmarkt produzieren. Dafür würden Lösungen gebraucht, die leistungsfähig seien und sich schnell umsetzen ließen.

Das Unternehmen plant unter anderem auch eine Autobahnausfahrt im Norden, um die umliegende Landesstraße L38 zu entlasten. Notwendig sei aus Sicht von Tesla auch, den Bahnhof Fangschleuse weiter in den Westen zu verlegen, um Wege zu verkürzen. Zudem sei eine zusätzliche Haltestelle im Süden geplant. Eine Fahrplanstudie habe Tesla bereits in Auftrag gegeben. „Wir brauchen Lösungen, die leistungsfähig sind und sich schnell umsetzen lassen“, betonte Riederer.

Mehr Radwege geplant

Besonderen Wert lege das Unternehmen auch auf den Ausbau der Fahrradwege. Mit dem Rad zur Arbeit zu gelangen, sei umweltschonender und platzsparender. Zudem seien weniger Autos auf der Straße unterwegs, so der Tesla-Vertreter, der nach eigenen Angaben in Amsterdam lebt und dort gute Erfahrungen gemacht hat. Das neue Werk könne in Brandenburg ein „Leuchtturmprojekt“ werden.

Unterdessen sorgte ein aktueller Tweet von Tesla-Chef Elon Musk bei den Brandenburger Wirtschaftsförderern am Donnerstag für Aufmerksamkeit. Darin bedankte sich der Tesla-Chef beim Land und der Gemeinde Grünheide. „Dankeschön Brandenburg & Grünheide!“, schrieb Musk bei Twitter. Die Wirtschaftsförderung Brandenburg zeigte sich erfreut. „Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich so ein Unternehmer beim Land und der Gemeinde bedankt und das öffentlich“, sagte Alexander Gallrein, Pressesprecher der Wirtschaftsförderung des Landes.

Der Tesla-Vertreter legte im Landtag die Vorstellungen des Unternehmens dar, tiefer gehende Fragen der Abgeordneten wollte er aber nicht beantworten. Riederer verwies auf laufende Prüf- und Bewilligungsverfahren bei den Infrastrukturmaßnahmen, für die die öffentliche Erörterung ausstehe.